Ausgesprochen Angesagt

27. September 2015

Im Gespräch mit der Logopädin Frau Laugwitz

Kita: Wie kommt es denn zu diesem pfiffigen und passenden Werbespruch am Auto?

Fr. Laugwitz: Ich fand dass eine sehr passende Wortspielerei. Die soll gleichzeitig deutlich machen, dass in der Logopädie auch viel mit der Sprache gespielt wird. Vor allen die Kinder sollen Freude empfinden.

K: Wie kommt es,  dass die Logopädin vormittags in die Kita kommt?

Fr. L.: Es soll vor allem die Eltern entlasten. Diese müssen so keine Therapietermine mit der Arbeit unter einen Hut bringen. Zum anderen ist die Konzentration und Aufnahmefähigkeit der Kinder  am Vormittag nachweislich besser. Der Kindergarten bietet auch eine gute Beobachtung der Kinder und  Gespräche mit den Erziehern. Gleichzeitig kann der Erzieherin Rückmeldung gegeben werden, was im Alltag mit den Kindern noch geübt werden kann. So funktioniert das Zusammenspiel zwischen Kind, Eltern, Erzieher und Logopädin hervorragend.

K: Seit wann sind sie Logopädin?

Fr. L.: Seit 2010 Logopädin. Seit 2013 eigene Praxis in Freiberg.

K: Wie kam es von Freiberg nach Mulda und wie ist die Arbeit hier vor Ort?

Fr. L.: Ich bin in Mulda gelandet nach einem Tipp einer Bekannten, dass dort gesucht wird. Die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen ist sehr gut. Sie nehmen sich Zeit, sind stets ansprechbar für Fragen oder Rückmeldungen. Sie versuchen im Alltag Tipps umzusetzen und zu üben. Auch das herauslösen der Kinder für die Therapie aus der Gruppe funktioniert mit Absprachen hervorragend.

K: Wie viele Kinder betreuen Sie?

Fr. L.: Mit 2 Kindern angefangen und aktuell sind es 11.

K: Wer regt Logopädie an?

Fr. L.: Häufig fällt den Erziehern etwas auf, worauf sie die Eltern aufmerksam machen. Diese müssen dann einen Arzt konsultieren, der ggf. Rezept ausstellt. Oder dem Arzt fällt etwas bei den regelmäßigen U-Untersuchungen auf. Für Eltern ist es schwierig, Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen, da sie tagtäglich mit dem Kind zu tun haben. Die Erzieher haben zudem noch die Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kindern und gelegentlich die Rückmeldung der Logopädin.

K: Wie viel Zeit nimmt eine durchschnittliche Therapie in Anspruch?

Fr. L.: Bei Kindern zwischen 60 Therapiesitzungen und länger. Es gibt auch kurze Prozesse von 30 Sitzungen, die sich auf ein viertel bis halbes Jahr erstrecken.

K: Lässt sich aus der Erfahrung heraus und im Austausch mit Fachkollegen bestätigen, dass die  Zahl der Kinder, für die Logopädie hilfreich ist, steigend ist?

Fr. L.: Prinzipiell ja. Kinder wachsen in einer Konsumgesellschaft auf, die in vielen Bereichen weniger zum Sprechen animiert als früher. Fernseher, Playstation, Handyspiele laden nicht gerade zum Sprechen mit anderen ein. Oftmals sind Eltern auch so eingespannt, dass  weniger Zeit zum bewussten Erzählen oder Fördern bleibt.

K: Ab welchem Alter ist Logopädie sinnvoll?

Fr. L.: Ab 3 Jahren ist es in der Regel möglich. Vorher ist sie nur sinnvoll, wenn Kinder gar nicht sprechen. Da  muss dann auch geklärt werden, warum. Es gibt verschiedene Entwicklungsfenster (Altersabschnitte) in dessen Zeitrahmen bestimmt Sprachfähigkeiten ausgeprägt sein sollten. Sollten Auffälligkeiten auftreten, kann man beruhigt bis zum Ende der Phase abwarten, ob sich der Fehler von alleine korrigiert. Sollte dies nicht sein, wird Logopädie empfohlen. Wird zu spät reagiert, wird es schwieriger für die Kinder, es richtig zu erlernen. Ärzte  können statt die  Phase abzuwarten aber auch eine Beobachtung und Diagnose beim Logopäden verschreiben. Dann stellt dieser in 1-2 Sitzungen fest, ob sofortiger Bedarf besteht oder abgewartet werden kann.

K: Bis zu welchem Alter sollte die Sprachentwicklung abgeschlossen sein?

Fr. L.: Die Sprachentwicklung ist mit der 2./3. Klasse abgeschlossen.

K: Welche Altersgruppe nutzt am häufigsten das Therapieangebot?

Fr. L.: Die größte Klientengruppe sind Kinder bis zur Einschulung. Im Erwachsenenalter trifft es auf Patienten von Schlaganfall, Parkinson oder Stotterer zu. Auch der Umgang mit der Stimme in besonders stimmbeanspruchten Berufen wie Lehrer, Erzieher oder Sänger kann trainiert werden.

K: Wie kann man sich die erste Sitzung vorstellen? Wie kommen die Kinder zur Sitzung?

Fr. L.: Meistens sehr  vorsichtig. Erst mal gucken, was passiert. Die meisten Kinder tauen schnell auf. Alle Aufgaben sind spielerisch verpackt. Die Kinder merken gar nicht, welche Aufgabe dahinter steht. Sie leben für die 45 Minuten im Spiel und entwickeln nebenbei ihre Sprachfähigkeiten weiter. Bei den größeren Vorschulkindern  kommen dann auch Aufgaben mit Erklärung hinzu, wie z.B. Reimwörter finden oder Silben klatschen. Besonders geeignete Spiele sind Brettspiele wie das Einkaufsspiel von Ravensburger,  wo mit verteilten Rollen gespielt werden kann. Oder auch Frage-Antwort-Spiele, Wimmelbilder oder Klassiker wie“ Ich sehe was, was du nicht siehst“ – aber mit genauer Beschreibung. Aktionsspiele sind bei den Kindern am beliebtesten. Also Spiele, wo etwas Überraschendes passiert („Spitz pass auf“), d.h. etwas fliegt raus, muss gefangen werden, fällt runter. Auch Bewegungsspiele wie „Farben hüpfen“ lassen sich einbauen. Dabei geht es nicht immer nur um das reine richtige Sprechen, sondern auch um dafür notwendige Grundlagen wie Merkfähigkeit und Konzentration. Geräusche müssen erkannt werden oder an welcher Stelle vom Wort welcher Laut / Buchstabe kommt.

K.: Wie funktioniert die  Zusammenarbeit mit den Eltern, wenn alles in der Kita stattfindet?

Fr. L.: Über ein Pendelheft. Das dient als Rückmeldung für die Eltern, was in der Stunde passiert ist und woran gemeinsam gearbeitet werden sollte. Aber auch für Fragen und Probleme der Eltern. Die Eltern können jederzeit anrufen oder das Gespräch in der Kita suchen.

K: Wie oft kommen Sie derzeit nach Mulda und wie intensiv ist ihre Arbeitswoche?

Fr. L..:  Zur Zeit bin ich zweimal pro Woche Vormittags in Mulda, einmal Vormittags in Kita Freiberg und ansonsten in der Praxis. Mit Abrechnung, Dokumentation kommt mind. eine 40-Stunden-Woche zusammen. Aber es macht große Freude. Gerade mit den Kindern ist die Zeit immer sehr schnell um. Wenn die Kinder mitmachen, ist man selbst viel motivierter. Es gibt selten Kinder, die am Anfang blockieren. Dann bedarf es Zeit um herausfinden, wo die Interessen liegen und mit welchen Spielen sie sich locken lassen.

K: Was benötigt es für eine erfolgreiche Therapie?

Fr. L.: Therapie hat dann auch nur Sinn, wenn es regelmäßig erfolgt. Vertrauen und eine Beziehung muss aufgebaut werden. Außerdem muss in Kita und zu Hause regelmäßig geübt werden. Kinder, die nachweislich üben, kommen schneller zum Erfolg und benötigen weniger Therapiesitzungen. In seltenen Fällen gibt es Rückfälle. Kinder übernehmen das Gelernte, aber es muss gefestigt werden. Wenn das Üben nicht ausreichend war zum Festigen kann es in seltenen Fällen auch zu Rückschritten kommen.

K: Welche Sprachauffälligkeiten treten am häufigsten im Kindesalter auf?

Fr. L.: Am Häufigsten treten im Kindergartenalter Probleme mit den Lauten auf  k / t, g / d, sch /s . Aber auch Grammatik, wenn es im Mehrzahl oder Vergangenheit geht. Erzählfähigkeit und Satzbildung können Probleme sein, oftmals einhergehend mit nicht ausreichend vorhandenem Wortschatz.

K: Wie schätzen Sie ihre bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kitas ein?

Fr. L.: Ich habe bisher nur positive Erfahrungen in Kitas gemacht. Die Beobachtung in der Gruppe ist sehr gut für die Therapie. Die Erzieher fragen mittlerweile auch und bitten bei einzelnen Kindern um Rückmeldung. Ich als Logopädin höre anders hin und bin sensibler im Umgang mit Sprache, als das andere im Alltag sind. Außerdem sind die Vormittage auch günstig für Arbeitszeitenplanung. Die meisten Logopäden suchen Kitas auf, weil das Zusammenspiel gut funktioniert und es für Eltern eine Entlastung ist. In der Kita braucht es dafür nur einen separaten Raum, mit Tisch und Stühlen und optimaler Weise noch einen Spiegel.

K: Haben Sie einen Wunsch für die weitere Zeit in Mulda?.

Fr. L.: Weiter so gute Zusammenarbeit mit dem Team und den Eltern. Und vielleicht noch ein Spiegel im Therapiezimmer.

Wir danken Fr. Laugwitz für das nette Gespräch, ihr Engagement in unserer Kita und allen Eltern die vertrauensvoll das Angebot bei uns nutzen.

 

Bianca Beyer und das Team des Naturkinderhauses Mulda