Begegnungen

09. Januar 2019

"Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen."

                                                                            Guy de Maupassant

Heute möchte ich Ihnen, liebe Gemeinde, von Begegnungen der Vorschulkinder des "Guten Hirten" mit Senioren der Seniorenresidenz Elbflorenz berichten.

Seit einigen Jahren besuchen die Vorschulkinder monatlich die Seniorenresidenz und schlagen somit eine Brücke zwischen Jung und Alt - interessant und anregend für beide Seiten. Die jeweils neuen Vorschulkinder lernen das Haus kennen und treffen sich in einer ersten gemeinsamen Runde mit einigen Bewohnern.

Es ist ruhig geworden. Spannung liegt in der Luft. Augenpaare begegnen sich.
Manche haben die Augen geschlossen. Wir warten - wir warten auf eine Frau.
Da ist sie. Sie schiebt ihren Rollator vor sich her und betritt unseren Kreis.
Früher arbeitete sie selbst als Kindergärtnerin, heute wohnt sie in der Seniorenresidenz Elbflorenz. Sie setzt sich neben einen Vorschüler und fragt nach seinem Namen. Dann beginnen wir.
Manche Bewohner, die heute gekommen sind, sind schon einige Jahre dabei.
Es geht los mit dem Lied "Wir wollen uns begrüßen". Heute trauen sich zwei Kinder im Kreis herum zu gehen und die Jungen und Alten mit Handschlag zu begrüßen.
Manchmal ist das eine ganz schöne Herausforderung. Hier riecht es so anderes, einige sitzen im Rollstuhl, manch einer schlummert.
Ein Ball wird herumgegeben und wir erzählen uns: wie alt wir sind, was wir werden wollen oder was wir für einen Beruf hatten und was wir im Seniorenheim / Kindergarten am liebsten machen.
Immer ein Bewohner sitzt neben einem Kind. Es gibt Rückfragen - ein Gespräch zwischen Jung und Alt entsteht. 
Eine Frau nickt vor sich hin.
Die Ergotherapeuten spricht sie an: "Frau M., was haben sie früher gearbeitet"?
Frau M. schaut in die Runde.
"Waren sie nicht auch Kindergärtnerin"?
Die Frau nickt und rollt ganz langsam den Ball auf ihren Armen zum nächsten Kind.
H. ist als Nächste dran und streckt ihre offenen Arme der Frau entgegen. Sie wartet und lächelt. Frau M. sieht das Kind und lächelt auch. Ihre Augen strahlen als ob sie sich in diesem Augenblick an ihre Zeit als Kindergärtnerin erinnert. Sie ist nun ganz hier bei uns und gibt den Ball weiter.
Später im Kindergarten erzählen wir über unsere Begegnungen im Seniorenheim.
Ich erzähle was ich bei Frau M. beobachtet habe und bin dankbar, dass H. die Arme geöffnet, geduldig auf Frau M. gewartet hat und lächelte.
Ich sage: "Dass Frau M. sich gefreut und sich erinnert hat - das hast du bewirkt!"
H. lächelt verlegen und ich glaube ich habe sie ein Stück wachsen sehen.
"Gut, dass wir einander haben "? so heißt es in unserm Vorschullied - denn wie wir immer wieder erleben können, machen Begegnungen das Leben lebenswert.

                                                                              Kristin Rehm  - Erzieherin