Kinderarche-Erzieher protestieren: Die Luft ist raus

25. September 2018

Unter dem Motto „Weil Kinder Zeit brauchen“ lud das Graswurzelbündnis „Die bessere Kita“ am Weltkindertag in mehreren sächsischen Großstädten zu Demos und Kundgebungen ein. In Chemnitz stand die Aktion im Stadthallenpark unter dem Slogan „Die Luft ist raus“. Symbolisch wurde bei den allseits geliebten Hüpfburgen die Luft rausgelassen. Die zentrale Forderung an die Politik lautet, einen mittel- und langfristigen Plan für die frühkindliche Bildung in Sachsen zu entwickeln, um die Qualität in den Kitas zu verbessern.

Um ein Zeichen zu setzen und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in den sächsischen Kitas zu bewirken, nahmen auch einige Erzieherinnen der Integrativen Kita „Kinderoase“ Crimmitschau an dieser Demo teil.

Weil wir glauben: „Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Eine halbe Tasse Kaffee, ein halbes Stück Kuchen auf einem halben Teller, welcher auf einer zu kurzen Tischdecke steht, erwartete die Eltern des Kinderhauses „Sterntaler“ am Nachmittag des Weltkindertages. Nicht weil die Erzieher zu geizig sind, sondern weil sie darauf aufmerksam wollten, dass es trotz des kürzlich veränderten Betreuungsschlüssels immer noch an Personal in Sachsens Kitas fehlt. Von den Forderungen der Graswurzelinitiative „Die bessere Kita“ ist nicht mal die Hälfte erfüllt.

An dieser sehr ungewöhnlichen Kaffeetafel sind Erzieher und Eltern miteinander ins Gespräch gekommen. Vor welchen Herausforderungen stehen Erzieher mit dem aktuellen Personalschlüssel? Warum muss dieser weiter verbessert werden? Die Eltern waren sehr interessiert an diesem Thema und waren überrascht, dass Urlaub, Krankheit und Weiterbildung keine Berücksichtigung im Personalschlüssel finden. „Wir hoffen sehr, dass die sächsische Politik die Priorität noch deutlicher auf Kinder und Familien legt“, sagte Einrichtungsleiterin Katrin Leschak. „Kinder brauchen (immer noch) Zeit und Erwachsene, die Zeit für sie haben.“

Auch im Naturkinderhaus Mulda gab es lauter halbe Sachen. Der halbe Sandkasten war ebenso abgesperrt wie die Hälfte der Matschanlage. Beim Klettergerüst ging es nur auf einer Seite hoch und auch das Fußballtor war symbolisch mit buntem Absperrband halbiert. Bei einem halben Glas Wasser erklärte Kita-Leiterin Andrea Dolatkiewicz den Eltern, dass die Einrichtung dem Aufruf der Graswurzelinitiative gefolgt war, weil noch nicht einmal die Hälfte der Forderungen nach mehr Qualität in sächsischen Kitas umgesetzt ist.

Unter dem Motto „Die Hälfte ist nicht genug“ konnten sich die Eltern im Hort und in der Kita auf zahlreichen Plakaten und Karikaturen einen Überblick über die Anforderungen des Erzieherberufs im Alltag und den gestellten Forderungen verschaffen. Viele Eltern zeigten sich überrascht von der Aktion, hörten den Erziehern bei einer halben Tasse Kaffee aufmerksam zu, äußerten viel Verständnis und wollten gern auch sofort gemeinsam etwas unternehmen.

„Guck mal, so viele Arme muss eine Erzieherin haben!", erklärte Chiara ihrer Mama ein Plakat mit einer Karikatur. „Mehr Arme an einer Erzieherin wollen wir gar nicht“, sagt Andrea Dolatkiewicz, „aber mehr Erzieher, so dass ausreichend Arme für Aufgaben im Kitaalltag da sind." Ein Vater brachte den gemeinsamen Wunsch zum Abschluss des Tages auf den Punkt: „Wir hoffen, dass sich bis nächstes Jahr was ändert und wir ganze Gummibärchen bekommen."