„Die Kinderstube der Demokratie“ hält Einzug im Kinderhaus „Sterntaler“

05. September 2019

"Wir brauchen eine Ampel und Verkehrsschilder auf unserer Rollerbahn, weil die Verkehrsregeln nicht immer eingehalten werden und es immer zu Unfällen kommt."

Mit diesem Anliegen kamen einige "Sterntaler" im Auftrag des gerade gegründeten Kinderrates in das Büro der Leiterin Frau Leschak und machten so von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch.
Mit Inkrafttreten des neuen Kinderschutzgesetzes müssen den Kindern verbindliche Möglichkeiten der Beteiligung und Beschwerde eröffnet werden und diese in der Einrichtungskonzeption verlässlich verankert sein.
Beteiligung, Teilhabe und Mitbestimmung sind Grundrechte eines jeden
Kindes und nicht verhandelbar. Beteiligung heißt, Entscheidungen, welche das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Beschwerden können diesen Prozess initiieren und sind daher neben der Beteiligung ein Schlüssel zu Bildung und Demokratie.
Im Rahmen unseres Kinderalltages haben die "Sterntaler" schon einige Möglichkeiten, mitzubestimmen und selbst zu entscheiden. Sie können den Raum wählen, in dem sie spielen möchten, können entscheiden, was und wieviel sie essen wollen und haben die Möglichkeit mit ihrem Wahlstein bei für sie wichtigen Entscheidungen abzustimmen. Sie wirken bei der Entwicklung von Regeln des Zusammenlebens mit, werden an der Raumgestaltung und an der Planung des pädagogischen Alltags beteiligt.
In den Haus- und Gruppenmorgenkreisen sind die Kinder eingeladen, zu äußern, was ihnen gefällt und worüber sie nicht so glücklich sind. Auch die Leiterin des Kinderhauses ist für die Kinder (fast) immer ansprechbar, um über schöne und spannende Erlebnisse zu erzählen, aber auch von konflikthaften und problematischen Situationen zu berichten.
Das ist uns aber nicht genug und so haben wir überlegt, wie die Kinder noch aktiver mitgestalten können, wie sie angeregt werden können, sich zu beschweren und welche Voraussetzungen es braucht, damit dies gelingen kann.
Wir haben uns mit den Kindern zusammengesetzt, ihnen zugehört und die Idee eines "Kinderrates" entwickelt. Es gab neugierige Frage, tolle Ideen und eifrige Kinder im Dialog. So wie in einem Stadtrat die Erwachsenen miteinander sprechen und Entscheidungen treffen, so sollen den Kindern im Kinderhaus Rechte der Mitbestimmung und Mitsprache eingeräumt werden, wenn es um ihre Belange geht. Am Ende unseres Treffens gründeten wir einen Kinderrat.
Die beteiligten Kinder erhielten ein Button mit ihrem Namen damit sie deutlich als Mitglied des Kinderrates erkennbar sind. Es wurden Porträtfotos gemacht und auf unserer Diele hängt nun ein großes Plakat auf welchem die Mitglieder des Kinderrates zu sehen sind. Im großen Hausmorgenkreis stellte er sich anschließend allen Kindern und Erziehern vor.
Mit dem Protollbuch unterm Arm nahm der Kinderrat eine erste Zusammenkunft mit unserer Leiterin Frau Leschak wahr, in welcher unteranderem der Wunsch nach Verkehrsschildern und einer Ampel für die Rollerbahn geäußert wurde. Nachdem die Kinder Frau Leschak ihre nachvollziehbaren Beweggründe geschildert haben, wurden Ampel & Co. bestellt und sorgen nun schon für einen geregelten Verkehr auf unserer Rollerbahn.
Beteiligung heißt, Kinder ernst zu nehmen und ihnen etwas zuzutrauen. Um den Bedürfnissen von Kindern gerecht zu werden, sind Erwachsene gefordert, sich zurückzunehmen, Kinder als Experten ihrer Lebenswelt anzuerkennen und sie zu ermutigen, ihre eigenen Lösungen zu finden.  Beschwerden sollten als etwas Positives gesehen werden, als ein persönliches Feedback, welches Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln.
Kinder erleben so, dass es Sinn macht, seine Meinung zu sagen und sich einzusetzen für das, was ihnen wichtig ist.