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Schimpfen tut gut, hat aber auch Grenzen.

„Du ver*#*(& e Fo*%#&e!“: Vom Umgang mit Schimpfwörtern

Mal schimpfen tut richtig gut! Finden Sie nicht auch? Das bestätigt sogar ein interessantes Experiment von 2009 an der britischen Universität Keele: Wenn die Versuchspersonen fluchen durften, konnten sie ihre Hand länger im Eiswasser halten. Schimpfen verringert das Schmerzempfinden, steigert das Durchhaltevermögen und ist somit ein wichtiger psychologischer Helfer, wenn wir uns mal durchbeißen müssen.

Haben Sie Ihr dreijähriges Kind vor Augen, wie es bei der Familienfeier lauthals „Oberf*%&#!!!“ von einer Tischkante zur anderen kräht? Vielleicht fällt vor lauter Empörung gar nicht auf, wie das Kind hocherfreut und voller Stolz in die Runde blickt. Schmerzminderung? Fehlanzeige! Was ist möglicherweise passiert?

  • Es hat die Aufmerksamkeit aller auf sich gezogen.
  • Es erlebt, dass Mutti sprachlos ist.
  • Es erlebt sich selbstwirksam.

Oder Sie denken an Ihr fünfjähriges Kind, wie es einen saftigen Wutausbruch ablässt, weil Sie ihm etwas nicht erlaubt haben? Es endet mit einem gebrüllten „Du Hu*§%&=#!!!“ in Ihre Richtung.

Austesten und „Schmerzminderung“ sind in den Beispielen sicher Funktionen des Schimpfens. Aber damit noch lange KEINE Gründe, keine Grenze zu setzen, wenn diese Ihrer Meinung nach angebracht ist.

  • Im zweiten Beispiel braucht das Kind Ihre Begleitung, um den angemessenen Umgang mit seinen Gefühlen zu lernen.
  • In beiden Situationen braucht das Kind Ihre klare Rückmeldung, was geht und was nicht – und vor allem, WARUM.

Woran können Eltern sich hierbei orientieren?

  • Ihre eigenen Werte: Fragen Sie sich selbst, warum Sie bestimmte Schimpfwörter weder nutzen noch hören möchten.
  • Beleidigungen gegen Menschen dürfen nicht akzeptiert werden.
  • gesellschaftliche Akzeptanz ermessen

Was können Eltern konkret tun?

  • Fragen, warum das Kind dieses Wort gesagt hat (Vielleicht hat das Kind das Wort im Kindergarten aufgeschnappt und möchte einfach nur seine Wirkung in einem geschützten Rahmen testen.)
  • Sagen, wie das Wort wirkt, z.B.: „Hey, mit diesem Wort beleidigst du andere Menschen.“
  • Bedeutung oder wenigstens Botschaft des Wortes erklären: z.B. „Das Wort sagt einem Menschen, dass er eklig ist.“
  • Eigenen Standpunkt vertreten, z.B.: „Ich möchte, dass wir in unserer Familie keine Menschen beleidigen!“
  • Eine Alternative anbieten, z.B.: „Du kannst mir gern sagen, was dich ärgert. Du kannst auch mit dem Fuß stampfen, aber ein *#!“+&% möchte ich nicht von dir genannt werden!“

Und zu guter Letzt, denken Sie daran: Jede Familie hat früher oder später mit diesem Thema zu kämpfen und jede Familie kann ihren Weg damit finden – es ist nie zu spät, neue Wege zu gehen.

Sie wollen in Ihrer Familie konkret am Umgang mit Schimpfwörtern arbeiten? Hier verschiedene gesammelte Herangehensweisen:

  • Art und Ranking der Stärke von Schimpfwörtern besprechen (Vergleich mit Tieren, Fäkal- und Vulgärsprache, Fluch…)

  • Erlaubte Schimpfwörter: lustige Schimpfwörter ausdenken (Schimpfwortgenerator auf der GeoLino-Seite könnte dabei behilflich sein)

  • Schimpfwortsparschwein (für jedes Schimpfwort Geld ins Sparschwein – gemeinsam überlegen, wofür es ausgegeben wird: z.B. für Putzmittel mit der Erklärung, dass dann die Beleidigungen wieder weggewischt sind)

  • Einen Schimpf-Ort im Haus festlegen (Klo? – aussprechen – runterspülen)

  • Kinderbücher zum Thema besorgen, zum Beispiel „Von Alpakakacka bis Zotteltrottel - Das voll verbotene Abc“

Debora Centner, Sprachfachkraft im Kinderkreis Natur, Heimat und Gesundheit Radebeul

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