Rückblick auf einen ereignisreichen Festmonat

70 Jahre Kinder- und Jugendheim Crimmitschau: Ein solch großer Geburtstag sollte natürlich gebührend gefeiert werden. Also begannen die Vorbereitungen darauf bereits Ende 2018, indem ein Festkomitee gegründet wurde, das Ideen für die Festgestaltung sammelte. Es musste ja an sooo vieles gedacht werden!

Schließlich stand fest: Wir gestalten einen Festmonat, dessen Auftakt der Archelauf ist und dem ein Kinder- und ein Nachbarschaftsfest folgen sowie ein Treffen älterer, ehemaliger Mitarbeiter/innen, eine Festveranstaltung mit prominenten Gästen und schließlich ein Treffen für ehemalige Heimbewohner/innen. Es bedurfte umfassender Vorbereitungen für die vielen Feste im September dieses Jahres und viele Menschen waren darin involviert.

Enorme Anstrengungen, die viele unserer Mitarbeiter/innen – Pädagogen wie auch alle technischen Kräfte – nicht gescheut haben, um zum Gelingen aller Feste aktiv beizutragen, wurden mobilisiert. Ebenso die Ehrenamtler boten Unterstützung an – und als Hauptpersonen standen unserer Kinder und Jugendlichen bereit, die intensiv in ihren Wohngruppen geprobt haben, damit das Festprogramm auch gut gelingt. Von den Jüngsten bis zu den Ältesten wurden schließlich erstaunliche Leistungen von ihnen geboten – und es war überraschend, welche Talente man dabei entdecken konnte, gesanglich, instrumental oder rezitatorisch.

Jeder Darbietung wurde bei den Veranstaltungen der gebührende Respekt durch stürmischen Beifall der Gäste gezollt! – Und uns als Erwachsene haben diese Leistungen stolz gemacht – denn sie sind auch das Ergebnis der unermüdlichen Motivationen – und der Lohn dieser täglichen Anstrengungen.

Großes Interesse fand unsere Heimchronik, die in sehr umfangreicher Form vorlag und Einblicke in die verschiedenen Epochen der Heimerziehung – 40 Jahre DDR und 30 Jahre BRD – und das „gelebte“ Leben sowie die wirtschaftlichen Gegebenheiten in unserem Heim gewährte. Natürlich hat jedes der bei uns bisher aufgenommenen Kinder (insgesamt ca. 1.600) eine eigene ganz individuelle Sichtweise auf diesen Lebensabschnitt, der darin nur allgemein erfasst werden konnte. Aber es ist ein Zeitdokument, das Aufschluss über wichtige Entwicklungen in der Heimerziehung gibt und für ehemalige Bewohner/innen einen (oft entscheidenden) Abschnitt ihrer Biografie dokumentiert.

So legt die Chronik auch Zeugnis darüber ab, dass immer schon Unterstützer gesucht und gefunden werden mussten, um das Leben im Heim zu bereichern und bessere Bedingungen für das Aufwachsen der benachteiligten Mädchen und Jungen zu schaffen, denn eine Lobby für sie gab es weder früher noch heute. – Diese Netzwerke aufzubauen war und ist Aufgabe der Führungskräfte und Mitarbeiter/innen, die diese Problematik ins öffentliche Interesse gerückt haben. So ist es gelungen, immer wieder viele Menschen zu gewinnen, die aktive Unterstützung in unterschiedlichen Formen leisten, welche unseren Kindern und Jugendlichen zugutekommt.

Auch unsere Feste haben das bewiesen, denn all die verschiedenen Feste mit ihren ganz unterschiedlichen Gästen konnten nur gelingen (und organisiert werden), weil im Hintergrund „unsichtbare“ Menschen daran mitgewirkt haben – viele Spender und Unterstützer. So sind an erster Stelle unsere Freunde bei NETTO zu nennen, die uns Getränke, Lebensmittel zum Kochen und Backen sowie Tischschmuck unentgeltlich zur Verfügung stellten.

Der Festzelt- und Getränkeservice Clemen, der uns bei derartigen Anlässen unentgeltlich stets das große Festzelt zur Verfügung stellt, ist uns seit vielen Jahren ein treuer Unterstützer. Ebenso Herr Hinze – in Crimmitschau bekannt als „Runningman“ und Kinderarche-Oskar-Preisträger – organisierte für das Ehemaligentreffen eine „Fotobox“, wo jeder, der es wollte, Einzel- oder Gruppenfotos zur Erinnerung an dieses Ereignis kostenlos erstellen lassen konnte – eine tolle Sache, die pausenlos genutzt wurde.

Herr Neumann, der Ehemann unserer Sekretärin, stellte seine Technik zur Verfügung und sorgte an diesem Tag für die musikalische Unterhaltung aller Ehemaligen und hatte auch ein gutes Gespür für das große Mitteilungsbedürfnis aller Gäste. Eine tolle gesponserte Bar gab es ebenfalls als Highlight.

Wenn ein Heim auf eine so lange Geschichte wie wir zurückblicken kann, sind die Ehemaligentreffen stets ein besonders spannendes Ereignis für alle Erwachsenen, weil man nie genau weiß, wer alles kommt. – Natürlich hatten wir viele Rückmeldungen, aber es kamen auch Überraschungsgäste. Und es gab viele berührende Begegnungen zwischen ehemaligen Erziehern und Betreuten. Sogar eines der allerersten Heimkinder war dabei, der von 1949 – 1955 hier lebte. Leider blieb er allein. Es kamen ca. 120 ehemalige Heimbewohner/innen. Das erscheint wenig angesichts der Gesamtzahl – entsprach aber in etwa unserer Planung und den Einladungen, die wir anhand der vor zehn Jahren hinterlegten Adressen anschreiben konnten.

Nach dem Programm unserer Mädchen und Jungen stellte der Crimmitschauer Fanfarenzug mit zünftigen Märschen und Rhythmen ein besonderes Highlight des Festes dar, denn viele Ältere, die selbst vor Jahren im heimeigenen Fanfarenzug ab 1957 mitgespielt hatten, waren hellauf begeistert davon. Viele Erinnerungen kamen wieder und gaben reichlich Gesprächsstoff über vergangene Zeiten. Zu unserer Freude spielt zumindest einer unserer Jungen heute im Fanfarenzug mit und konnte auch sein Können zeigen.

Nach dem Motto „Seht, was aus uns geworden ist“ führten die anschließenden Begegnungen immer wieder zu erstaunten Ausrufen wie: „Hätte ich nicht erkannt…“, „Hätte ich nicht gedacht…“, „Was macht eigentlich der und der?“ – aber auch: „Toll, was aus dem Heim geworden ist!“ und bei der Besichtigung der Gruppenetagen: „Was, jetzt sind das Einzel- oder Doppelzimmer, früher haben wir zu acht in diesem Raum geschlafen – unvorstellbar heute!“

Befragte ich die Ehemaligen, was für sie aus ihrer Zeit bei uns prägend gewesen ist, so antworteten sie: „Die Ordnung, Disziplin und Zuwendung, die wir gelernt, erhalten und zu Hause vermisst haben. Sie haben uns das spätere Leben wesentlich erleichtert.“ Bestätigt wurde uns von ihnen, dass unser Leitspruch für dieses Jubiläum „Solange Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie größer werden, schenk ihnen Flügel.“ von Khalil Gibran zu allen Zeiten hier gegolten hat.

Fazit: Die Anstrengungen haben sich gelohnt! Unser Dank gilt all den Menschen, die in den vielen Jahren stets „ein Herz für unsere Kinder“ gezeigt haben und noch immer zeigen, die uns tatkräftig unterstützen und zur Stelle sind, wenn wir sie brauchen. Sie sind für uns der wertvollste Schatz und gewährleisten, dass wir für unsere Mädchen und Jungen zusätzliche schöne Erlebnisse schaffen, notwendige Therapien durchführen, das Lebensumfeld wohnlicher gestalten und manchen individuellen Wunsch erfüllen können.

Ein großes Dankeschön gilt auch all unseren Kooperationspartnern, d.h. den Jugendämtern, der Stadtverwaltung, den Schulen, Ausbildungsstätten und -betrieben, Ärzten, Therapeuten, den Kliniken, Wohnungsgesellschaften, Vereinen und ganz besonders unserem Träger, dem Kinderarche Sachsen e.V. und den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, die für unsere Anliegen stets ein offenes Ohr, viel Verständnis haben und uns unterstützen.

Mein persönlicher Dank gilt unserem gesamten Mitarbeiterteam und insbesondere den älteren Mitarbeiterinnen, die in den vielen Jahren Höhen und Tiefen mit bewältigt, Widerständen getrotzt, Entbehrungen auf sich genommen und trotz manch schwieriger Bedingungen um den Fortbestand unserer Einrichtung mitgekämpft haben. Ohne sie hätten wir dieses Jubiläum nicht feiern können.

Und ich danke allen, die nicht benannt sind, aber zum Gelingen aller Feste zuverlässig und mit hohem Engagement beitrugen.

Stolz bin ich auf unsere Mädchen und Jungen, die gezeigt haben, dass sich jede Investition in sie und jede unserer Anstrengungen lohnt! Das stimmt optimistisch für die Zukunft!

Mögen wir nach dem nächsten Jahrzehnt wieder auf eine weitere gute Entwicklung hier zurückblicken und den kommenden Generationen jederzeit eine förderliche Entwicklung bieten können.

Sonja Dietrich
Einrichtungsleiterin