

Eine große Vorbildfunktion haben wir insbesondere darin, wie wir mit unseren Kindern sprechen. Treten Sie öfters in einen Dialog mit Ihren Kindern, begeben Sie sich auf Augenhöhe, stellen Sie Blickkontakt her und schenken Sie Ihrem Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Werte – unser innerer Kompass
„Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben.“ (Viktor Frankl)
Wir möchten alle in einer friedlichen Gesellschaft aufwachsen und leben, mit Respekt behandelt werden und uns geachtet fühlen. Wir wollen uns einbringen in die Gemeinschaft und einen geschätzten Beitrag darin leisten. Ein demokratisches Zusammenleben in einer Gemeinschaft kann jedoch nur durch Werte wie Mitgefühl, Verständnis und Toleranz gelingen, wenn wir Verantwortung übernehmen und Bereitschaft zum Dialog zeigen.
Wie entwickeln unsere Kinder ihre Wertevorstellung?
Eine eigene Werteentwicklung speisen Kinder im Laufe ihres Lebens aus verschiedenen Quellen. Zu Beginn ihres Lebens erfahren sie zuerst, was ihre Eltern für wünschenswert halten. Später nehmen Erzieher/-innen, Lehrer/-innen und Freunde Einfluss auf ihre Werteentwicklung. Und seit einiger Zeit nehmen auch die digitalen Medien einen großen Einfluss dabei ein.
Jede Entscheidung für oder gegen einen Wert ist immer auch eine persönliche Entscheidung.
Wie stellen sich Werte in den Lebensabschnitten zwischen Kindheit und Jugend dar?
Zu Beginn sind sehr junge Kinder kleine „Egoisten“. Viele Erfahrungen müssen in dieser Zeit bewältigt werden und sie erfreuen sich an jeder Situation, die ihren persönlichen Interessen entgegenkommt. Warum soll ich einem Kind ein Spielzeug ausleihen oder einen Keks abgeben? Nur was selbst Spaß und Freude macht, muss auch richtig sein.
Bis zu einem Alter von ca. vier Jahren ist es keine „böse Absicht“, den eigenen Neigungen nachzugeben, sondern die einzige Entscheidungsmöglichkeit. Mit weiteren sozialen Erfahrungen lernt ein Kind, andere Kinder oder Erwachsene in seine persönlichen Entscheidungen mit einzubeziehen.
Im Alter von ca. zehn Jahren können Kinder dann entscheiden, was sie tun „sollten“ oder „müssen“ und was einer persönlichen Entscheidung überlassen werden kann. Jugendliche können bereits gut unterscheiden, dass ihr Pflichtbewusstsein einem anderen Freund in Not zu helfen einen höheren Stellenwert für sie einnimmt, als in diesem Moment ins Kino zu gehen oder an andere eigene Bedürfnisse zu denken.
Kinder haben mehr Vertrauen in ihre eigenen Werte, wenn sie ein starkes Selbstwertgefühl haben. Ich bin geliebt. Ich bin wichtig. Ich kann etwas beitragen im Leben.
Was können wir Eltern zur Werteentwicklung unserer Kinder beitragen?
Kinder können von Anfang an zuerst spielerisch mit Werten vertraut gemacht werden, die später zur Selbstverständlichkeit wachsen sollen. Es gibt zahlreiche Bilderbücher, in denen Mitgefühl, Toleranz und Freundschaften eine Rolle spielen. Brettspiele können später dazu beitragen, sich an Regeln zu halten und auch den Umgang mit Niederlagen zu erlernen. In Spielgruppen oder Vereinen können sich Kinder in Dialogbereitschaft und Konfliktfähigkeit üben und so untereinander Regeln aushandeln.
Wichtig ist in allem: Seien Sie Ihrem Kind ein gutes Vorbild, um ihm demokratische Grundwerte zu vermitteln. Halten Sie inne, wenn Sie sich über andere ärgern und sich gleich lautstark beschweren möchten. Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass Menschen aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus unterschiedlich handeln können, unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten haben.
Unsere Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, unter Fachleuten als kognitive Perspektivübernahme bezeichnet, hilft uns, den Blickwinkel eines anderen einzunehmen und diesen dadurch besser zu verstehen. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über das Verhalten anderer Menschen, überlegen Sie gemeinsam, warum eine Person in einer bestimmten Situation so handelt. Stellen Sie gemeinsam Überlegungen dazu auf.
Wie unsere Haltung im Gespräch als Vorbild wirkt
Eine große Vorbildfunktion haben Sie insbesondere darin, wie Sie mit Ihren Kindern sprechen. Als Eltern geben wir oftmals Anweisungen z.B. „Jetzt wird hier aufgeräumt!“ und erkennen uns in Spielsituationen unserer Kinder dann wieder, die die gleichen Worte verwenden. Treten Sie öfters in einen Dialog mit Ihren Kindern, begeben Sie sich auf Augenhöhe, stellen Sie Blickkontakt her und schenken Sie Ihrem Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit. Bewerten Sie seine Meinung nicht sofort, sondern hören ihm zu, stellen Sie offene Fragen, die nicht nur mit ja oder nein beantwortet werden können. Regen Sie Ihr Kind zum Mit- und Weiterdenken an. In einem solchen Austausch erlebt Ihr Kind Wertschätzung und Respekt. Es wird dabei gestärkt, Verantwortung zu übernehmen und sich als wichtiger Teil in der Gesellschaft zu betrachten.
Kinder orientieren sich an anderen Personen in ihrem Lebensumfeld und an vorgelebten Mustern. Jugendliche orientieren sich zunehmend an Mustern, die in der digitalen Welt gezeigt werden. Hier ist eine gute Medienerziehung wichtig. Besprechen Sie Sendungen gemeinsam, schalten Sie auch mal aus und begründen Ihre Entscheidung, wenn menschenunwürdige Darstellungen gezeigt werden.
Seien Sie auch hier Vorbild, indem Sie selbst z.B. keine Bilder Ihrer Kinder posten, denken Sie nach, welche Daten Sie weitergeben. Zeigen Sie Interesse für die Spiele am Computer, suchen Sie das persönliche Gespräch, fragen Sie nach. Medien sollten keine Flucht aus dem Alltag bedeuten.
Fragen Sie sich: Was sind meine Werte, was ist mir wichtig und was möchte ich meinen Kindern weitergeben? Werte sind zeitlebens veränderbar, durch Beziehungen, Erfahrungen, Krisen u.a. Sie lenken, verbinden, priorisieren, sind handlungsanleitend – unser innerer Kompass.
Antje Warg, Teamkoordinatorin Mutter/Vater-Kind Wohngruppe Burgstädt