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Seit Januar ist Enrico Kirschner an Bord der Kinderarche Sachsen, konnte sich zwei Monate einarbeiten lassen und hat jetzt die Einrichtungsleitung für das „Haus am Czorneboh“ und den „Katschwitzer Hof“ übernommen.

„Ich möchte für eine Logik des Gelingens eintreten“

Für wie so viele Menschen zerstoben auch die Berufspläne von Enrico Kirschner in den Wirren der Nachwendezeit. Die Hochschule, an der der gebürtige Südbrandenburger Verfahrenschemie studieren wollte, wurde abgewickelt. Zum Glück, kann man heute sagen. Denn so musste sich der junge Mann etwas anderes einfallen lassen. 

Nach einem kurzen Intermezzo als Bofrost-Verkäufer, dem im konsumungewohnten Osten das Auto in fünf Minuten leergekauft war, entschied er sich dafür, Sozialarbeit zu studieren. Eine Reportage über einen Streetworker in Hamburg hatte in ihm diesen Wunsch entfacht. Das Studium war wild, denn zunächst gab es die Hochschule nur auf dem Papier. Unterrichtet wurde in einer Turnhalle, und die Sozialministerin Regine Hildebrandt kam persönlich zu den Vorlesungen vorbei.

Den Klienten oft nur eine Informationsbroschüre voraus

Mit dem Diplom in der Tasche ging der frischbackene Sozialarbeiter in die offene Jugendhilfe und arbeitete zwei Jahre in einem Jugendclub, bevor er in die Schuldnerberatung wechselte. Anfangs war er seinen Klienten oft nur eine Informationsbroschüre voraus, fand aber schnell Gefallen daran, zuzuhören und Wege zu suchen, wie Menschen wieder zurück in die Spur finden.

Nach 17 Jahren war ein Punkt erreicht, an dem sich Enrico Kirschner eine neue Herausforderung wünschte. Über den Flur wurde ihm zugerufen, dass ein Teamleiter für die Inobhutnahme (ION) in Hoyerswerda gesucht wurde. Dort arbeitete er, bis die AWO eine Leitung für das neue Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Döberkitz suchte.

Statt Erzieher müssten wir Bezieher sein

Kirschner war der einzige Mitarbeiter, der zum Wechsel bereit war – und stellte Menschen ein, die zwar keine Erzieher waren, aber die Sprache konnten und andere Qualifikationen mitbrachten. Wie schon in der ION verzweifelte der Sozialpädagoge an den Rahmenbedingungen. „Statt Erzieher müssten wir Bezieher sein, denn auf die Beziehung kommt es an,“ so seine Überzeugung. „Aber die Bedingungen in der ION und auch in der umA-Gruppe waren nicht so, dass dies gelingen konnte.“

Für eine Logik des Gelingens wollte er sich aber einsetzen, plante deshalb eine Erziehungsstelle in seinen eigenen Räumen, wo er Kinder in einem wirklich familiären Setting hätte betreuen können. Weil die Betriebserlaubnis auf sich warten ließ, übernahm er die Leitung einer Kita in Steina. „Da habe ich mich wohl gefühlt, das war eine richtig heile Welt“, resümiert er heute. Als die Leiterin der Kita in seinem Heimatort Oßling in Rente ging, wechselte er noch einmal, konnte mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, fühlte sich aber seit den Zerwürfnissen der Corona-Pandemie oft als Einzelkämpfer.

Im April 2025 begann er deshalb einen neuen Job in der Behindertenhilfe in Hoyerswerda und wäre dort auch geblieben, wenn ihn nicht Kristina Jöhling gebeten hätte, sich um die Einrichtungsleitung unserer Häuser in Wuischke und Katschwitz zu bewerben. Die zwei hatten sich in einer Management-Weiterbildung kennen gelernt, und Kristina konnte sich Enrico gut als ihren Nachfolger vorstellen. 

Tolle junge Menschen und gestandene Kollegen

„Es ist verrückt, wie sich in meinem Leben immer wieder durch einen Zufall neue Türen geöffnet haben“, betont Enrico Kirschner, der schon bei seinem ersten Besuch in Wuischke das Gefühl hatte, dass dies ein guter Ort ist. „Ich habe tolle junge Menschen und gestandene Kollegen getroffen, die ihren Job mit Empathie und Leidenschaft machen“, erzählt er. „Das macht mir Mut, dass eine Logik des Gelingens hier möglich ist.“

Seit Januar ist Enrico Kirschner nun also an Bord der Kinderarche Sachsen, konnte sich zwei Monate von Kristina Jöhling einarbeiten lassen und hat zum 1. März die Einrichtungsleitung für das „Haus am Czorneboh“ in Wuischke und die Wohngruppe „Katschwitzer Hof“ übernommen. In seiner Rede zur Verabschiedung von Kristina versprach er entlang der beiden Jahreslosungen von 2025 und 2026, das Gute zu bewahren, sich aber auch die Freiheit zur Veränderung zu nehmen.

Zuhören und hinsehen

„Ich möchte zuhören und hinsehen“, betont er, „nicht nur regulieren, sondern die Kolleginnen und Kollegen darin stärken, dass sie ihren Job gut machen können, um wirksam für die Kinder zu werden.“ Den Arbeitsweg von jetzt einer Stunde empfindet er sogar als Luxus. „Ich habe so viel aufzuholen“, sagt der 57-Jährige lachend, „jetzt komme ich endlich dazu, Hörspiele zu hören.“ 

Wenn er zu Hause in Liebegast ankommt, wartet eine sechsjährige Tochter auf ihn, für die er sich nach Feierabend viel Zeit nimmt. Auch im Garten ist immer etwas zu tun. Einen weiteren Wechsel schließt der neue Einrichtungsleiter nach den vielen Stationen in seinem Berufsleben aus. „Hier mache ich jetzt den Deckel drauf“, betont er, „in Wuischke bleibe ich bis zur Rente.“

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