Kinderarche Sachsen e.V.

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Auf Umwegen zur Erzieherin

19. März 2021

Hotelfachfrau – Friseur – Stabsunteroffizier – Erzieherin: Der Berufsweg von Nicole Olbrich ist alles andere als geradlinig. Und doch glaubt man der 33-Jährigen sofort, wenn sie sagt: „Jetzt bin ich angekommen.“ Nach einem Praktikum im Kinder- und Jugendheim Lichtenberg hatte sie schon den Vertrag in einem Kindergarten unterschrieben, als der Anruf kam und sie sich sofort für unser Haus in Lichtenberg entschied. „Ich mag die Atmosphäre hier“, schwärmt sie, „jeder Tag ist anders, es herrscht ein Geist wie in einer Familie, das ist echt gut.“

Es sei eben das „Leben in der Lage“ nimmt Nicole Olbrich einen Begriff aus der Bundeswehr zu Hilfe. Ohnehin nützt ihr der jahrelange Einsatz beim Bund tatsächlich auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „In der Bundeswehr musst du immer einen Plan B im Kopf haben“, erklärt sie, „und das hilft natürlich in der Jugendhilfe, wo eigentlich nie etwas nach Plan A geht.“ Die Kinder wüssten, dass sie klare Ansagen macht, und sie macht auch keine Abstriche, wenn es um die Ordnung im Zimmer geht. Andererseits bringt sie auch eine große Portion Feingefühl und Empathie mit. „Ohne das kannst du den Job nicht machen“, ist sie überzeugt.

Was der Ex-Soldatin außerdem hilft, das ist ihr Neben-Job als „Pferdeflüsterin“. Schon als Kind fühlte sie sich zu Pferden hingezogen – sie hat einfach ein Gefühl für die großen Tiere. Seit Jahren nimmt sie inzwischen schwierige Pferde in Pflege und arbeitet so lange mit ihnen, bis sie wieder zurück zu ihren Haltern gehen können. „Ich nehme die Pferde so, wie sie sind, schaue sie mir mit viel Zeit und Geduld erst mal an“, verrät sie ihr Geheimnis. Sie geht mit den Pferden in den Wald, lässt ihnen Zeit, bis sie Vertrauen fassen. „Vor fünf Jahren hatte ich ein Pferd, das war richtig böse, hat nur gebissen und getreten“, erinnert sie sich. Drei Jahre hat sie gebraucht, aber dann konnte sie das Tier wieder guten Gewissens seiner zwölfjährigen Besitzerin anvertrauen.

Ihr großer Traum ist es, die Arbeit mit Pferden und mit Kindern zu verbinden. Deshalb macht sie jetzt eine Ausbildung zur Reittherapeutin und geht regelmäßig mit den Kindern ihrer Wohngruppe in den Stall. „So wie Pferde mich erden und mir Kraft geben, so beobachte ich das auch an den Kindern“, erzählt Nicole Olbrich, „es ist wunderbar zu sehen, wie anders sie sind, wenn sie Zeit mit den Pferden verbringen, sie putzen oder reiten.“

Die Ruhe, die der jungen Frau im Umgang mit schwierigen Pferden hilft, kommt ihr auch bei Konflikten in der Wohngruppe zugute. „Wenn es hier knallt, bleibe ich ganz ruhig und entspannt“, sagt die Erzieherin, „manchmal staune ich hinterher selbst über mich.“ Richtig schlimme Konflikte kann Nicole Olbrich, die selbst eine vierjährige Tochter hat, jedoch an einer Hand abzählen. „Die meisten Tage machen richtig Spaß“, gesteht sie, „die Kinder freuen sich auf mich, wir unternehmen viel zusammen. Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie hier.“