Kinderarche Sachsen e.V.

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Eine WG in Quarantäne: 20 Tage abgeschnitten von der Welt

02. März 2021

Als am Morgen des 15. Januar ein 13-jähriger Jugendlicher unserer Wohngruppe Reichenbach mit Fieber, Erbrechen und Schwindelgefühlen aufwachte, da ahnten die Erzieher nichts Gutes. Sofort fuhr eine Kollegin mit dem Jungen zum Kinderarzt – nach ihrer Rückkehr wurde er in sein Zimmer gebracht und blieb erst mal dort. Er bekam die Mahlzeiten aufs Zimmer, nutzte ab sofort ein separates Bad, und die Erzieher gingen nur noch mit Maske zu ihm rein.

Wie richtig das gewesen war, zeigte sich bereits am nächsten Morgen, als der Kinderarzt anrief: Das Ergebnis des Corona-Tests war positiv.

Was schon für eine Familie eine kleine Katastrophe ist, das multipliziert sich in einer Wohngruppe mit mindestens dem Faktor 4. Das gesamte Haus mit allen acht Kindern und Jugendlichen wurde unter Quarantäne gestellt; für die zwei Erzieher, die mit dem erkrankten Jungen Kontakt hatten, wurde die so genannte Freizeitquarantäne angeordnet, das heißt, sie durften zwar weiter arbeiten und zwischen Wohnung und Arbeit pendeln, mussten sich aber von allen anderen Menschen fernhalten.

Auf einen Schlag änderte sich der Alltag in der Wohngruppe: Für alle wurden Masken ausgeteilt, die ab sofort Pflicht waren, die Kinder blieben die meiste Zeit in ihren Zimmern, durften nur allein ins Treppenhaus oder mal kurz in den Garten, Abstand und häufiges Händewaschen waren das Gebot der Stunde. Was nach dem ersten Schock geholfen hat: Die Erzieher sind ganz ruhig geblieben und haben mit den Kindern offen über alles geredet. „Die Corona-Regeln kannten die Kinder ja schon“, erzählt Erzieher Falko Wiesnet, „und wir haben ihnen deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich jetzt ganz streng daran zu halten.“

Erstaunlich war, wie kreativ die elf- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen den Ausnahmezustand bewältigt haben. Drei von ihnen begannen während der Quarantäne, Gitarre zu spielen. Viele malten und bastelten in ihrem Zimmer, Hörbücher und Gesellschaftsspiele standen hoch im Kurs. Die Kinder entdeckten, dass man von offenem Fenster zu offenem Fenster wunderbar kommunizieren konnte – auch wenn manchmal die Nachbarn mithörten…

Gegessen wurde in mehreren Etappen jeweils mit Abstand zu dritt an der großen Tafel in der Wohnküche, die sonst Platz für zehn Personen bietet. Hier konnten sich zwei bis drei Kinder mit Abstand und Maske auch zusammensetzen, um Monopoly, Skippo oder Kniffel zu spielen.

Noch einmal schwerer wurde die Situation jedoch, als nach zehn Tagen Quarantäne zwei Tests wieder positiv ausfielen: Der zuerst Erkrankte und ein 16-jähriger Jugendlicher mussten nun isoliert werden. „Das war für uns alle natürlich hart, aber es hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, noch viel genauer auf die Regeln zu achten“, so Falko Wiesnet. Angesichts weiterer zwei Wochen in Quarantäne wurde die Stimmung jetzt doch angespannt, die Kinder waren schneller gereizt, es wurde auch mal laut. Viel Zuwendung zu jedem einzelnen Kind, viele individuelle Gespräche waren jetzt nötig und halfen, die Situation gemeinsam zu bewältigen.

Als nach 20 Tagen Quarantäne – am 5. Februar – das Gesundheitsamt anrief und verkündete, dass alle Tests negativ seien, da war der Jubel groß. Zur Feier der wiedererlangten Freiheit gab es zum Abendbrot Gyros für alle, die große Tafel waren wieder voll besetzt, das Lachen und Reden in der kompletten Runde tat allen sichtbar gut. „Wir sind sehr stolz darauf, wie gut unsere Kinder und Jugendlichen und das ganze Team die Quarantäne gemeistert haben“, schätzt Falko Wiesnet im Rückblick ein. „Das habt ihr richtig gut gemacht!“