Kinderarche Sachsen e.V.

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Balsam für die Seele: Ein tierisch toller Ferientag im Vogtland

06. August 2022

Ferienzeit, das ist ausschlafen, relaxen, einmal keine Hausaufgaben erledigen, also sich selbst etwas Gutes tun. Ebenso kann man diese tolle Zweit nutzen, um anderen wertvolle Zuwendung zu schenken. In unserem Fall waren dies eine kleine quirlige Fellnase auf vier Pfoten sowie große wunderschöne Wesen, auf deren Rücken bekanntlich „das Glück der Erde liegt“.

Die zwölfjährige Tamara machte sich mit ihrer Erzieherin im Rahmen der Einzelbetreuung zunächst auf den Weg ins Tierheim des Tierschutzvereins Reichenbach e. V. nach Limbach. Dort nahmen wir Emma, eine Terrier-Mischlingshündin, in Empfang. Emma wird neben zahlreichen Katzen und Hunden im Tierheim von ehrenamtlichen Mitarbeitern liebevoll umsorgt.

Zu dritt starteten wir unsere Wanderung. Das angekündigte Temperament mit ausgeprägtem Jagdtrieb stellte uns vor körperliche Herausforderungen, denn für Emma gab es nur eins: Fährte aufnehmen und um jeden Preis verfolgen! Nach zahlreichen Ansprachen unsererseits registrierte Emma dann, dass am anderen Ende der Leine tatsächlich noch jemand anwesend war.

Während das zweistündigen Marsches querfeldein gelang es uns, Verbindung zu ihr aufzunehmen und diese kleine Hündin dankte uns unsere Bemühungen mit Zuwendung und entsprechenden Reaktionen. Bei einer Rast tankten wir neue Energie und durften sogar mit Emma schmusen. Auf der Bank, auf der Emma kurzerhand ebenfalls Platz genommen hatte, waren die Initialen EG eingebrannt. Tamara hatte dazu spontan eine Idee und nahm die „Taufe“ auf „Emmas Gassibank“ vor.

Natürlich ist der Aufenthalt im Tierheim nicht nur von Zuversicht und Freude geprägt; es spielen ebenso nachdenkliche und traurige Moment eine Rolle. So erfuhren wir von einem Mitarbeiter, wie mitunter gedankenlos Menschen ihre treuesten Begleiter, die ihnen stets Loyalität und bedingungslose Liebe schenkten, allein lassen und weggeben. Das Schicksaal dieser Tiere bewegte uns sehr.

Umso wichtiger ist es, dass die Heranwachsenden in unserer Obhut auch mit solchen Themen konfrontiert werden und daraufhin Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein für alle Geschöpfe, die sie umgeben, entwickeln.

Nach der Mittagspause rollte unser grüner Bus in die entgegengesetzte Richtung auf den Reiterhof in Lengenfeld. Tamara erhält hier seit einigen Jahren Reitunterricht; herzlichen Dank an alle Spender der Aktion „Herzenssache“, die diese tiergestützte Förderung ermöglichen. Von dem schüchternen Mädchen, welches nur zögerlich kommunizierte und etwas Angst vor den großen Tieren hatte, ist heute nichts mehr zu spüren.

Tamara hat den Unterschied zwischen Angst und Respekt, welcher im fairen Umgang mit Pferden und Tieren im allgemeinen unerlässlich ist, erlebt und gelernt. Selbstbewusst putzt und sattelt sie die Pferde und wirkt so aktiv an der Vorbereitung der Reitstunde mit. Seit einiger Zeit wird Tamara nicht mehr longiert, sondern reitet frei nach den Anweisungen der Reitlehrerin verschiedene Gangarten wie Schritt, Trapp und Galopp. Auf diese Entwicklung ist Tamara sehr stolz, war es doch mit viel Durchhaltevermögen, Disziplin und einigen Anstrengungen verbunden, um an diesem Punkt anzukommen.

Ich schaue Tamara im Kontakt mit den Pferden sowie auf dem Pferderücken beim Reiten zu und sehe ein Mädchen, welches entspannt und glücklich ist und über das ganze Gesicht strahlt. Wenn es möglich wäre, würde ich mich an dieser Stelle einmal von Herzen bei den Pferden bedanken, die ein Kind, welches mit Ängsten und Problemen umgehen muss, wie es andere Kinder in behüteten Familien nicht müssen, so überaus glücklich und für einige Momente sorgenfrei machen.