Gruppensprecher setzen sich intensiv mit ihrer Rolle auseinander

27. August 2020

Es ist Mittwoch, 13 Uhr, im Steinsaal der Kinderarche Sachsen haben sich zahlreiche Interessierte zu einer Pressekonferenz versammelt. Im Podium sitzen acht Experten für das Thema des heutigen Tages: sieben Gruppensprecher*innen und eine Erzieherin. „Muss ein Gruppensprecher immer Vorbild sein?“, schallt die erste Frage aus dem Publikum. „Nein, gar nicht, auch ein Gruppensprecher ist ein Mensch und kann mal einen Fehler machen“, kommt prompt die Antwort. „Kann ich als Erzieher einen Gruppensprecher absetzen, wenn er nur Mist baut?“, folgt gleich die nächste Frage. „Auf keinen Fall“, antwortet eine junge Frau, „das können nur die anderen Kinder der Gruppe, indem sie einen neuen Gruppensprecher wählen.“

Knapp zwei Stunden lang hatten die Gruppensprecher der Kinderarche sich in sechs Arbeitsgruppen intensiv mit ihrer Rolle und ihren Aufgaben auseinandergesetzt – in der Pressekonferenz präsentierten sie nun die Ergebnisse des Vormittags. Als Sprachrohr ihrer Gruppen erfüllen sie eine wichtige Funktion. Was sie eigentlich auszeichnet, wie sie ihre Rolle erleben und was ihnen hilft, sie gut auszufüllen, war Thema des diesjährigen Gruppensprecher-Tages.

In den Arbeitsgruppen wurde schnell deutlich, dass es in unseren Wohngruppen einen durchaus sehr unterschiedlichen Umgang mit Gruppensprechern gibt. Die jungen Menschen nutzten deshalb die Gelegenheit zum Austausch über ihre Ideen und Probleme und konnten im gemeinsamen Gespräch viele Impulse für ihren Alltag sammeln. „Wir wünschen uns, dass wir nicht nur einmal im Jahr zum Austausch zusammenkommen“, war deshalb eine Anregung zum Schluss, die Vorstand und Fachbereichsleitung nun prüfen werden.

Auch die anderen Ergebnisse des Tages sollen nicht in der Schublade verschwinden, sondern in eine jugendgemäße Handreichung für Gruppensprecher einfließen, die künftig in jeder Wohngruppe gelten soll. „Wichtig ist, dass es einen gemeinsamen Rahmen gibt und trotzdem jede Wohngruppe ihre individuellen Regelungen treffen kann“, so Susan Gebhardt, Fachbereichsleiterin für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in der Kinderarche Sachsen.

Ähnliches gilt für das Plakat „Kinder haben Rechte“, das als Ergebnis des Gruppensprecher-Tages 2019 am Mittwoch ausgeteilt wurde. Darin sind die wichtigsten Kinderrechte und ihre praktische Umsetzung im Alltag der Wohngruppen festgehalten. „Es sind eure Anregungen und Ideen, die wir auf diesem Plakat festgehalten haben“, sagte Uta Troike, Psychologin und Mitorganisatorin des jährlichen Gruppensprechertages. „Hängt es an einen Ort, wo ihr immer mal Zeit habt, nachzulesen, fragt nach, kommt ins Gespräch mit euren Erziehern.“

Nach dem anspruchsvollen Vormittags-Programm waren die Gruppensprecher am Nachmittag eingeladen, den Himmel zu erkunden: Im Planetarium der Sternwarte Radebeul reisten sie mitten ins Universum und staunten über Milliarden von Sternen. Mit einem kleinen Picknick endete der Gruppensprecher-Tag.

Wir danken herzlich allen Kindern und Jugendlichen, die sich so engagiert auf die Diskussionen eingelassen haben! Vielen Dank den sechs Gruppenleitern Nicole Fischer, Sarah Seininger, Falk Beyer, Manuela Hieblak, Stefanie Küntzel und Caroline Simniok, die gemeinsam mit den Kindern gearbeitet haben. Und ein besonderes Dankeschön noch einmal an die Gruppensprecher selbst, die einerseits immer ein Ohr für die Probleme und Interessen ihrer Gruppe haben, andererseits als Bindeglied zu den Erziehern und Einrichtungsleitern einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Belange der jungen Menschen in unseren Gruppen Gewicht und Bedeutung haben und in wichtige Entscheidungen einfließen.