Kinderarche Sachsen e.V.

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Gruppensprecher widmen sich dem Thema Gewalt

15. Juli 2022

Eigentlich sieht es erst harmlos aus: Zwei Mädchen tuscheln miteinander, lachen, eine dritte kommt hinzu. Dann wird klar: Sie machen sich über eine vierte lustig, das „Vogelnest“, „die ist auch vorhin richtig dumm hingeflogen“, so ein richtiges „Opfer“. Nur 30 Sekunden geht der kleine Film, der zur Einstimmung des Gruppensprecher-Tages zu sehen ist und doch macht er die versammelten 35 Kinder und Jugendlichen aus unseren Wohngruppen betroffen. Ist das schon Gewalt?

„Gewalt“ ist das Thema des diesjährigen Gruppensprecher-Tages – etwas, das nicht schön ist, das aber vorkommt und deshalb zur Sprache gebracht werden muss. „Wir wollen, dass ihr euch in unseren Wohngruppen wohl fühlt“, sagt Kinderarche-Vorstand Matthias Lang zur Begrüßung am Donnerstag, „und deshalb schauen wir heute gemeinsam, was wir tun können, um Gewalt zu verhindern.“

In sechs Gruppen haben die Kinder, Jugendlichen und Mütter einen ganzen Vormittag lang unter die Lupe genommen, welche Arten von Gewalt sie schon erlebt haben und was sie selbst tun können bzw. was sie sich von ihren Erzieher:innen und der Leitung wünschen, damit Gewalt im Alltag nicht vorkommt.

Was sie dabei herausgefunden haben, das präsentierten die Gruppensprecher nach dem Mittagessen im Steinsaal. Auf den großen Flipchart-Papieren waren viele Ideen versammelt, wie man Gewalt begegnen und sie im besten Fall verhindern kann.

Reden, reden, reden – das war ein Ergebnis, das alle Gruppen mit in die große Runde brachten. Manche sahen sich als Gruppensprecher auch in der besonderen Verantwortung, für eine friedliche Atmosphäre in den Gruppen zu sorgen und notfalls Hilfe von Erwachsenen zu holen.

Eigentlich kann es auch ganz einfach sein. So brachte Kevin einen Spruch mit, an den man sich nur erinnern muss: „Geh mit dem anderen so um, wie du dir wünschst, dass man mit dir umgeht!“ Kinderarche-Vorstand Matthias Lang und Fachbereichsleiterin Susan Gebhardt hörten sich alles aufmerksam an und versprachen den jungen Menschen, ihre Rückmeldungen mitzunehmen und in der weiteren Arbeit zu bedenken und beachten.

Nach dem arbeitsreichen Vormittag ging es dann in die benachbarte Turnhalle am Augustusweg, wo René Liesebach mit den Kindern und Jugendlichen ein abwechslungsreiches Präventions-Training absolvierte. Wie befreie ich mich aus einer ungewollten Umklammerung? Was kann ich tun, wenn einer meine Grenzen überschreitet? Welche Strategien gibt es, um Angreifer wieder loszuwerden?

Nach einer sehr körperlichen ersten Runde nahm Mandy Liesebach die Kinder und Jugendlichen dann noch mit auf eine kreative Reise zu den eigenen Stärken. „Wer selbstbewusst auftritt, wird nicht so schnell angegriffen“, so ihre Erfahrung.

Völlig ausgepowert, aber innerlich gestärkt gingen die jungen Menschen aus diesem Nachmittags-Programm heraus. Als Geschenk gab es dieses Mal eine kleine Gliederpuppe aus Holz, die in den Gruppenrunden verschiedene Funktionen erfüllen kann: Sie kann anzeigen, wie es jedem einzelnen geht, sie kann markieren, wer gerade etwas sagen will, sie kann dafür sorgen, dass wir uns zuhören und ins Gespräch gehen statt den anderen zu verurteilen oder niederzumachen.

Wir wünschen uns sehr, dass dies immer wieder gelingt. Damit sich junge Menschen in unseren Wohngruppen wohl und sicher fühlen. Auch die Erwachsenen sind mit diesem Versprechen aus dem Tag gegangen: Wir sind für euch da, wir hören euch zu, wir nehmen euch ernst und suchen für Probleme gemeinsam Lösungen.