Kinderarche Sachsen e.V.

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Montag, 16. Dezember 2019

Freie Stellen

Halbzeit im Präventionsprojekt „Kerngesund und springlebendig“

19. Juli 2019

Nach vierzehn aktiven Monaten im Rahmen des Präventionsprojektes „Auf geht’s: Kerngesund und springlebendig“, das die Kinderarche Sachsen gemeinsam mit den Ersatzkassen an drei Standorten durchführt, zieht unsere Bewegungsexpertin Jenny Barthold ein persönliches Resümee über ihre Arbeit im Mutter-Kind-Haus Leubnitz: So einige Bewegungsworkshops haben wir mittlerweile mit Freude, Schweiß, aber auch Überzeugungsarbeit erfolgreich absolviert. Seit dem Start des Präventionsprojekts im Mai 2018 fanden durchschnittlich zwei Workshops je Monat pro Wohngruppe statt. Alle Mädchen und Mütter haben somit regelmäßig und kontinuierlich an den Sporteinheiten teilgenommen.

Die jeweiligen Einheiten wurden dabei aktiv von mir und einer pädagogischen Fachkraft der Einrichtung begleitet. (Ein besonderer Dank gilt dabei Uta Lau und Mandy Kreis, welche die Workshops in der Einrichtung geplant und organisiert haben.)

Im Mai 2018 habe ich mich anfangs mit der Ausgangssituation der Mädchen und Mütter vertraut gemacht. Die ersten Stunden haben wir für ein persönliches Kennenlernen und für die Aufnahme der Startkonstitution genutzt. Dabei wurden verschiedene Köperwerte, wie z.B. Körpergewicht; Blutdruck; Herzfrequenz; Beweglichkeit und Kraftzustand gecheckt, um nicht nur einen subjektiven, sondern auch objektiven Einblick in die konstitutionelle Verfassung der Teilnehmerinnen zu erhalten. Auch die Erfragung der eigenen Zielsetzung der Mädchen und Mütter waren dabei wichtig. Diese Ausgangsbefragung sowie die Checks wurden in der Einrichtung aufbewahrt, um sie an einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen und zu vergleichen.

Schnell wurde durch die Gespräche und Checks klar, dass die meisten Teilnehmerinnen selbst mit ihrer Figur unzufrieden waren, aber auch die eigene körperliche Leistungsfähigkeit nur ausreichend vorhanden war. Mir ist dabei persönlich wichtig, dass nicht das Abnehmen von Körpergewicht, sondern eine gesunde Lebensführung mit einer natürlichen Ernährung und einem regelmäßigen Training im Vordergrund stehen! Das heißt, viel Aufklärungsarbeit im Bereich Ernährung sowie eigenes körperliches Training waren notwendig, um Gesundheit und Wohlbefinden zu verbessern.

Also: Auf geht's!

Anfangs habe ich mir ein Spiel zur Motivation der Teilnehmerinnen ausgedacht und dieses mit den Mädchen und Müttern gemeinsam bildlich gestaltet. Doch schnell wurde klar, dass dies durch die ständig neuen und wechselnden Bedingungen in einer Mutter-Kind Einrichtung nicht umsetzbar sind. Viele Bewohnerinnen haben das Haus verlassen und oft gibt es ein für mich spontanes Kommen und Gehen. Daher gab es für mich nur eine Konstante und dies bedeutete, die Bewegungsworkshops so oft wie möglich anzubieten, um ein regelmäßiges und nachhaltiges Training zu gewährleisten.

Ein Großteil der Einheiten wurden im Außenbereich der Einrichtung und am häufigsten im angrenzenden Werdauer Wald eingerichtet, so dass wir so oft es möglich war, den Frischluftvorteil ausgeschöpft haben. Seitdem führen wir regelmäßig eine Bewegungseinheit zur Verbesserung der Herz-Kreislaufsituation und ein Muskeltraining mit dem Körpereigengewicht durch. Aber auch Beweglichkeitsübungen mit Einblick in Pilates und Yoga dürfen bei den Einheiten nicht fehlen.

Um die psychischen und sozialen Komponenten zu stärken, haben wir uns auch spielerisch mit Ballsportarten ausgetobt. Insbesondere bei den Spielen wird bewusst, dass noch in jeder Bewohnerin ein kleines Kind steckt, welches gern spielt, ehrgeizig ist und gern gewinnen möchte. Dabei muss auch beachtet werden, dass bei dem Projekt größtenteils auf unseren eigenen Körper als Sportgerät zurückgegriffen werden muss, da wir nicht wie in einem Fitnessstudio über Klein- oder Großgeräte verfügen.

Zu Beginn mussten die Mädchen und Mütter für die Teilnahme motiviert werden. Mittlerweile nehmen alle eigenständig teil, auch weil die Bewegungsstunden fest in der Einrichtung eingeplant sind. Besonders erfolgreich ist das Projekt bisher bei den Müttern der Einrichtung. Diese sind mit Freude und Eigenmotivation dabei und bringen sich auch selbst aktiv mit eigenen Wünschen und Ideen ein. Einige Mütter trainieren privat mit einer Fitness-App, andere treffen sich in Kleingruppen zu Zumba oder gehen einfach Joggen. Generell hat diese Zielgruppe ein höheres aktives Alltagsverhalten, da sie die Wege zur Kita oder Schule zu Fuß erledigen müssen und die Kinder ihre Mütter auf Trab halten. Die Akzeptanz gegenüber dem Projekt ist in der Müttergruppe hoch, was mir persönlich viel Freude und ein leichteres Arbeiten bereitet.

Bei den Mädchen war gesundheitsbezogenes Denken, Werte und Verhaltensweisen weniger ausgeprägt und bekannt. Das hat sich geändert: die Bereitschaft zur Bewegung hat merklich zugenommen. Mittlerweile wurden auch neue Ideen in Zusammenarbeit mit den Fachkräften gesammelt, so dass auch individuelle Angebote wie z.B. Fußgymnastik bei Fehlhaltungen der Füße oder Bewegungsworkshop nach der Schwangerschaft integriert wurden. Grundlegend ist dabei wichtig, dass die Mädchen und Mütter die Bewegung für sich und in der Gruppe positiv erleben.

Neben den Mädchen und Müttern erfahren auch die pädagogischen Fachkräfte viel über Bewegung und eine gesunde Lebensweise. Das ist vor allem deshalb wichtig, damit Mädchen und Mütter, die sich in der Einrichtung neu einfinden, besser in die Begebenheiten vor Ort integrieren können. Es gibt auch einen Multiplikator, der insbesondere in meiner Abwesenheit das Vermittelte regelmäßig im Alltag einbringt und motiviert.

Alles in allem bin ich sehr froh, dieses Projekt im Bereich Bewegung zu leiten, die kleinen aber stetigen Schritte des Erfolges zu beobachten, von den Mädchen und Müttern akzeptiert zu werden und ein Stück von meiner persönlichen positiven Einstellung zum Leben weitergeben zu können.

Jenny Barthold, Referentin für Bewegung