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„Lebendige Schutzkonzepte lassen Kitas zu sicheren Orten werden“

07. November 2022

Pädagogische Fachkräfte in Kitas haben eine große Herausforderung zu meistern, indem sie zum Teil zu große Kindergruppen über viele Stunden am Tag begleiten. Sie müssen sich auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einstellen, unabhängig ihrer eigenen Befindlichkeit. Unter Stress, Hektik und Druck kann es zu unüberlegtem oder grenzverletzendem Verhalten von pädagogischen Fachkräften kommen. 

Aber Kinder haben ein verbrieftes Recht auf gewaltfreies Aufwachsen in der Familie und in Institutionen. Daher ist es neben bisher schon geltenden Rechtsvorschriften im seit Juni 2021 verabschiedeten Kinder- und Jugendstärkungsgesetz eine gesetzliche Verpflichtung, ein Kinderschutzkonzept zu erarbeiten, umzusetzen und zu evaluieren.

Schutzkonzepte bieten Orientierung und Handlungssicherheit. Sie nehmen im Sinne der Prävention vor allem sensible Bereiche im Alltag in den Blick und streben eine Etablierung einer Kultur der Grenzachtung an. D.h. gemeinsame Regeln für einen grenzwahrenden Umgang werden vereinbart und grenzsensible Situationen reflektiert. Immer mit dem Ziel, die persönlichen Rechte von jungen Menschen entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention zu stärken und zu schützen.

Nachdem wir uns im Kinderhaus „Sterntaler“ schon seit langem mit den Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten und den Kinderrechten auseinandersetzen, widmeten wir uns zum Teamtag am 4. November 2022 der Entwicklung eines Schutzkonzeptes für unsere Kita.

Mit der Reflexion eigener biografischer Erfahrungen, wurde zu Beginn dem Erleben in der eigenen Kindheit nachgespürt. Es wurde sehr offen und berührt von den positiven wie negativen Erinnerungen an die eigene Kitazeit berichtet. Viele Erlebnisse standen im Zusammenhang mit den pädagogischen Prozessen Schlafen, Mahlzeiten und Aktivitäten. Im anschließenden Austausch wurde oft die Brücke zur gegenwärtigen Pädagogik geschlagen.

In einem wertschätzenden Dialog wurden sehr ehrlich verschiedene Situationen, in denen man das Gefühl hatte, grenzverletzend zu agieren / reagieren, reflektiert. Mögliche Ursachen wie die Lautstärke, große Kinderzahl / wenig Personal, fehlende Absprachen im Team und übergriffiges Verhalten von Kindern wurden dabei in den Blick genommen. Anschließend wurden verschiedene Varianten, organisatorische, räumliche und strukturelle Rahmenbedingungen zu verändern, diskutiert und festgeschrieben.

Die Entwicklung eines Schutzkonzeptes ist ein länger andauernder Prozess, in welchem auch die Eltern und Kinder immer wieder eingeladen sind, organisatorische Abläufe, Rahmenbedingungen und pädagogische Prozesse kritisch in den Blick zu nehmen und uns eine konstruktive Rückmeldung zu geben.

Eine Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit ist in der gesamten Gesellschaft notwendig, um auch kritische Situationen anzusprechen, Nöte zu thematisieren und Belastungen zu reduzieren, um Kitas zu sicheren Orten für Kinder werden zu lassen.