MDR-Team will wissen: Wie funktioniert der Kita-Betrieb?

28. Mai 2020

Aufregung in unserer Integrativen christlichen Kita „Riesenzwerge“: Heute Vormittag war ein MDR-Kamerateam zu Gast, um zu schauen, wie der eingeschränkte Regelbetrieb funktioniert. Vom Ankommen der Kinder, die Unterschriften an der Rezeption und Einbahnstraßen für die Eltern über die Desinfektion der Klinken und Handläufe bis zur Trennung der Gruppen im Haus und der Spielbereiche im Außengelände hielten die Journalisten mit der Kamera alles fest, was die aktuellen Regeln vorschreiben.

Im Gespräch mit Erziehern und Kindern wollten sie wissen, was gut funktioniert und was nicht so gut. So ist es für die Kinder schwer zu verstehen, warum sie nicht mit ihren Freunden zusammen spielen dürfen und ein Zaun den Garten teilt. Für die Erzieher wiederum ist die strikte Zuordnung zu einer Gruppe eine Herausforderung, die nur mit Mehrarbeit gemeistert werden kann. „Manchmal betreuen im Frühdienst zwei Erzieher in zwei Gruppen drei Kinder“, berichtet Kita-Leiterin Julia Kretschmar. Obwohl sie und ihr Team alles sehr intensiv durchdacht und gut vorbereitet haben, kann die jetzige Regelung nur eine kurzfristige Lösung sein. „Sobald eine Erzieherin ausfällt, funktioniert das System nicht mehr“, so Julia Kretschmar.

Nach Aussage von Kita-Fachbereichsleiterin Barbara Gärtner fühlt sich die Kinderarche Sachsen als Träger den Kindern und Eltern verpflichtet und gestaltet die Öffnung in ihrem Sinne. „Wir sehen die Not der Eltern, die unter Druck stehen, und wir sehen die Bedürfnisse der Kinder“, so Barbara Gärtner, „deshalb haben wir die Regelungen so weit wie möglich ausgelegt und zum Beispiel Gruppengrößen sehr großzügig bemessen.“ In der Kita „Riesenzwerge“ gibt es jetzt drei Gruppen – auf jeder Etage eine. So können sich die Kinder wenigstens innerhalb ihrer Etage frei bewegen. Dass Geschwister jetzt in verschiedenen Gruppen betreut werden, aber nachmittags zu Hause gemeinsam spielen oder Freunde auf dem Spielplatz treffen, gehört laut Barbara Gärtner zu den Absurditäten der jetzigen Regelung.

Wir wünschen uns eine vollständige Öffnung und praktikable Hygieneregeln. Die Gruppentrennung länger aufrechtzuerhalten wird schwierig, für Kinder und für den Personaleinsatz. Denn auch in den anderen zwölf Kinderarche-Kitas stoßen wir schon jetzt an Grenzen. Überall ist erhebliche Mehrarbeitszeit nötig, um Öffnungszeiten in allen Gruppen abzudecken. In der „Villa Kunterbunt“ in Freiberg könnte das schon im Juli problematisch werden und gegebenenfalls zu einer weiteren Reduzierung der Öffnungszeiten zwingen.

Für Menschen in systemrelevanten Berufen wäre das eine Verschlechterung im Vergleich zur Notbetreuung. Aus unserer Kita „Sonnenblumenkinder“ in Bobritzsch-Naundorf heißt es: „Man spricht ganz viel von den Helden des Alltags, auf Erzieherinnen wird dabei kaum verwiesen. Wenn diese vielen Rädchen (gerade an vorderster Front) nicht mehr können, bleibt die ganze Maschinerie stehen.“

Übrigens hat auch das Deutsche Kinderhilfswerk an Bund, Länder und Kommunen appelliert, Schulen und Kitas wieder vollständig zu öffnen. Die Tatsache, dass nach wie vor sehr viele Kinder nicht in die Kita und nur sehr eingeschränkt in die Schule können, sei ein schwerer und vor dem Hintergrund aktueller fachlicher Erkenntnisse unverhältnismäßiger Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und ihre psycho-soziale Entwicklung. „Eine Öffnung von Kitas und Schulen unter angemessenen Schutzvorgaben ist kinder- und familienpolitisch der logische nächste Schritt“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

  • Der MDR-Beitrag wurde am 28. Mai, 21.45 Uhr in „MDR aktuell“ ausgestrahlt und ist in der MDR-Mediathek zu finden.