Mit dem Kanu auf Entdeckertour: Jugendliche trotzen dem Wetter

11. Juni 2019

Am Pfingstwochenende starteten neun Jugendliche aus verschiedenen Wohngruppen und drei Betreuer zur Kinderarche-Entdeckertour nach Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem Kennenlernen war der erste Tag ausgefüllt mit Packen, Anfahrt, Zeltaufbau und gemütlichem Grillabend in der Kanumühle Wesenberg. Für Schmunzeln bei den Jugendlichen sorgte die Tatsache, dass das Zelt von Betreuer Falk Beyer zu Hause vergessen wurde. Zum Glück konnte er aber vor Ort ein Zelt für die nächsten Tage ausleihen.

Am Samstagmorgen wurden die Boote beladen und nach einer Einweisung ging es schon auf das Wasser. Schnell merkten die Jugendlichen, dass es nicht so einfach ist, ein Kanu zu steuern, und dass sich die Teams in den Booten gut abstimmen müssen. Schon nach kurzer Zeit wurde es spannend, denn die erste Schleusung stand bevor. Alle bekam ein etwas beklemmendes Gefühl zwischen den großen Schiffen in der engen Schleuse. Das sollte aber erst der Auftakt zu einer atemberaubenden Tour sein. 

Nachdem schon einige Kilometer zurückgelegt wurden und sich alle mit der Paddeltechnik vertraut gemacht hatten, musste bis zum Tagesziel nur noch der langgezogene Priepertsee überwunden werden. Plötzlich aufkommender Sturm mit Windgeschwindigkeiten in Böen bis 50 km/h ließen alle fast verzweifeln. Trotz größter körperlicher Anstrengung gelang es nicht, die Boote auf Kurs zu halten und weiter voranzukommen. Einige Teams wurden abgetrieben, andere waren mitten auf dem See und kamen nicht weiter, zwei Boote hatten schon aufgegeben.

Zum Glück gab es einen sehr hilfsbereiten Sportbootfahrer, der die liegen gebliebenen beiden Boote ins Schlepptau nahm, dann auch noch zwei weitere Boote der Kinderarche auf dem See einsammelte und dann nach Priepert in den schützenden Hafen abschleppte. Das Boot von Marianna und ihrer Betreuerin Christin war aber schon zu weit abgetrieben und konnte nicht geborgen werden. Beide schafften es aber, ihr Boot am Schilfgürtel entlang durch hüfttiefes Wasser zu treideln und kamen so spät und erschöpft, aber glücklich ins Ziel. Annemarie und Betreuer Willi schafften es als einzige, gegen Wind und Wellen anzukämpfen und erreichten mit eigener Kraft den Campingplatz. Nach diesem Abenteuer und einer großen Portion Nudeln kuschelten sich dann abends alle schnell in ihre Schlafsäcke.

Die Herausforderung des nächsten Tages bestand darin, eine wesentlich größere Strecke zurückzulegen. Über den Ellebogensee, Canower See und Labussee ging die Tour bis nach Wustrow. Es war sehr schön zu sehen, wie die Jugendlichen gegenseitig auf sich Acht gaben und auf zurückgebliebene Boote wartete. Gegen 19 Uhr erreichte die Gruppe dann gemeinsam das Ziel Wustrow. Nachdem die Zelte aufgebaut waren, wurde wieder gemeinsam gekocht und der Tag reflektiert.

Den schönsten Teil der Strecke absolvierten die Jugendlichen am letzten Tag. Die Tour durch die schmale und wild romantische Schwanhavel mit dichtem Schilf, den tiefhängenden Ästen, umgestürzten Bäumen und den vielen zwitschernden Vögeln war etwas ganz Besonderes.

In den zurückliegenden Tagen erlebten die Jugendlichen ein echtes Abenteuer, gingen an ihre körperlichen Grenzen, hielten zusammen und hatten trotz der Anstrengung viel Spaß miteinander. Auch für die Betreuer war diese Tour etwas Besonderes. Sie erlebten Jugendliche, die gemeinsam alle Schwierigkeiten meisterten, rücksichtsvoll und respektvoll miteinander umgingen und so zum Gelingen der Tour beitrugen. Diese Entdeckertour wird sicher allen noch lange in Erinnerung bleiben.