Kinderarche Sachsen e.V.

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Stabwechsel auf der Kinderarche in Crimmitschau

20. Oktober 2020

Nach 36 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe und 24 Jahren als Leiterin des Kinder- und Jugendheimes Crimmitschau übergibt Sonja Dietrich jetzt den Staffelstab für die Leitung der 1949 gegründeten Einrichtung an Kati Franke. „Es war meine größte Sorge, dass wir keinen passenden Nachfolger finden“, gesteht die 65-Jährige. „Umso glücklicher bin ich jetzt, dass wir eine Frau gefunden haben, bei der ich die Geschicke des Hauses in guten Händen weiß.“

Kati Franke hatte bereits zum Jahresbeginn 2020 die stellvertretende Leitung des Kinder- und Jugendheim übernommen – und so ausreichend Zeit, die Einrichtung mit ihren 39 Kindern und Jugendlichen und 34 Mitarbeitenden gut kennenzulernen. „Ich bin sehr optimistisch, dass sie die Tradition unseres Hauses – zuerst die Kinder zu sehen, aber auch die Mitarbeitenden gut mitzunehmen – weiterführen wird“, sagt Sonja Dietrich.

Ihre Bilanz nach 24 Jahren Leitung: „Ich freue mich sehr, dass unsere Einrichtung in der Stadt anerkannt und geschätzt und von einem großen Netz aus vielen Unterstützern getragen wird.“ Ihr Wunsch zum Abschied: „Ich hoffe sehr, dass all unsere Partner und Wegbegleiter meiner Nachfolgerin mit demselben Vertrauen begegnen und dem Kinder- und Jugendheim Crimmitschau unter ihrer Leitung auch weiter die Treue halten!“

Kati Franke bezeichnet die Leitungsposition als eine schöne Herausforderung, die sie gern annimmt. Sie hatte zuvor in intensivpädagogischen Wohngruppen in Bayern gearbeitet und weiß, dass sie sich in Crimmitschau auf ein tolles Team mit viel Eigenverantwortung verlassen kann. „Dieses Team gut zu begleiten, sehe ich als meine wichtigste Aufgabe“, so die Sozialpädagogin. Um auch den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu halten, ist sie jeden Monat einmal in jeder Gruppe zum Abendbrot dabei. „So bleibe ich am Alltag nah dran und sehe, welche Themen gerade wichtig sind“, sagt die neue Frau auf der Kommandobrücke des Kinder- und Jugendheims.

Doch lassen wir das letzte Wort noch einmal Sonja Dietrich, die sich heute mit ihrem letzten Arbeitstag von der Kinderarche in Crimmitschau verabschiedet:

Jedem Abschied folgt ein Neubeginn. Abschiede sind im Leben nicht zu verhindern – führen allerdings auch dazu, dass es eine Wiedersehensfreude gibt. In diesem Sinne nehme ich Abschied von einem hoch engagierten Team, Kindern und Jugendlichen, die ich viele Jahre im Kinder- und Jugendheim Crimmitschau begleiten durfte und ebenso von einer großen Kinderarche-Gemeinschaft, die unser Schiff bereits durch Stürme und hohe See getragen hat, ohne unterzugehen. Möglich war das, weil die „Kapitäne“, Herr Lang und Herr Lenz schon sehr früh die Zeichen der Zeit erkannten und Managementstrategien etablierten, die unseren Verein zu einem modernen und fachlich anerkannten Jugendhilfeträger werden ließen. Ich bin stolz, daran mitgewirkt zu haben, und sehr dankbar für das mir und meiner Stellvertreterin, Marion Dinger, entgegengebrachte Vertrauen in den vielen Jahren unserer Leitung des Heimes.

Die Verabschiedung aus meinem Berufsleben gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, Kindern und Jugendlichen sowie dem Vorstand, der Fachbereichsleiterin, Mitarbeiterinnen aus der Geschäftsstelle, Freunden und Unterstützern aus der Öffentlichkeit war berührend und sehr wertschätzend. Für mich unvergesslich und einzigartig. Dies und die vielen Grußbotschaften, die mich erreichten, erfüllen mich mit tiefer Dankbarkeit.

Was wünsche ich mir für die Zukunft? – Ich wünsche mir, dass alle in unserem Arbeitsfeld Tätigen und ihre Verbündeten nicht müde werden, immer wieder in der Öffentlichkeit das Bild von Heimerziehung „gerade zu rücken“ und deutlich zu machen, dass Kinder, die zu uns kommen, die Chance auf eine bessere Zukunft erhalten und diese auch größtenteils nutzen. Leider gibt es keine Statistiken darüber, wie hoch die Erfolgsquote ist. – Doch ich bin davon überzeugt, dass sich jeder Cent rechnet, der hier investiert wird, weil wir fast alle jungen Menschen zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss führen können, bevor sie uns verlassen.

Weiterhin wünsche ich mir, dass es wieder eine spezielle Heim-Erzieher/innen-Ausbildung gibt oder zumindest ein höheres Zeit- und Finanzbudget für Fort-, Aus- und Weiterbildungen, was einen höheren Personalschlüssel und spezielle Weiterbildungsangebote bedingt.

Unsere pädagogischen Fachkräfte leisten jeden Tag Beispielhaftes, das hat sich während der Corona-Pandemie in besonderer Weise gezeigt, und erfahren doch kaum Anerkennung und Wertschätzung dafür. In der Öffentlichkeit wissen nur wenige, dass sie ebenso wie medizinische und pflegerische Fachkräfte jeden Tag des Jahres arbeiten und „systemrelevant“ sind. Heimerziehung hat leider keine große Lobby. Ja, Heimerziehung ist eine teure Jugendhilfeleistung, weil sie besonders ausgebildeter und einfühlsamer Fachkräfte bedarf, die die Kinder gut im Blick haben und ihre Stärken erkennen, um diese zu fördern. Aber diese Gelder sind in jedem Fall eine gute Investition in die Zukunft, denn sie helfen jungen Menschen, ihr Leben später aktiv und verantwortlich zu gestalten.

In diesem Sinne möchte ich allen jungen Menschen Mut machen, ihre Chance zu ergreifen, und allen Mitarbeitenden, sich nicht davon abbringen zu lassen, Kinder, Jugendliche und junge Familien auf ihrem Weg in ein gelingendes Leben zu begleiten.

Möge das Kinderarche-Schiff immer auf gutem Kurs mit seinen Passagieren sein!