„Sterntaler“-Eltern erleben Sprache als besonders wertvoll

19. April 2018

„Ich bin ich und du bist du. Wenn ich rede, hörst du zu. Wenn du sprichst, dann bin ich still, weil ich dich verstehen will.“ Mit diesen Zeilen aus einem Gedicht von Irmela Brender begrüßten wir am 18. April zahlreiche Eltern zu unserem diesjährigen Thematischen Elternabend „Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Seit nun mehr fast einem Jahr haben wir uns im Projekt „Sprach-Kita“ auf den Weg gemacht, ganz bewusst mit Sprache wertschätzend umzugehen und die Sprache der Kinder zu entdecken und zu begleiten.

Da der erste und wichtigste Bildungsort für Kinder die Familie ist, ist die enge Zusammenarbeit mit den Eltern als „Experten für Ihr Kind“ besonders wichtig. Daher waren sie an diesem Abend eingeladen, neben einem wertschätzenden Austausch über die Bedeutung der frühen Sprachbildung, zu unseren bisherigen Erfahrungen im Sprachprojekt ins Gespräch zu kommen.

Die Sprachentwicklung eines Kindes stellt viele Weichen für den weiteren Bildungs- und Lebensweg. Aus der Forschung wissen wir, dass es die größte Wirkung zeigt, wenn sprachliche Bildung und Förderung möglichst früh beginnen. Die kindliche Sprachentwicklung ist ein extrem komplexer Vorgang, in dem das Kind sehr viele Dinge gleichzeitig lernt.

Anhand des „Sprachbaumes“ von Wolfgang Wendlandt wurde die Sprachentwicklung von Kindern eingangs sehr bildhaft verdeutlicht. Der theoretische Einstieg wurde begleitet von Bildern, welche die Kinder in verschiedenen Sprachbildungssituationen zeigten. Mittels der Frage: „In welchen Situationen komme ich mit meinem Kind ins Gespräch?“ waren die Eltern im Laufe des Elternabends eingeladen, eigene Erfahrungen zu reflektieren. Während eines lebhaften Austauschs wurden zahlreiche Gedanken zusammengetragen.

In verschiedenen Workshops waren die Eltern anschließend eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen, eigene Erfahrungen auszutauschen und vielleicht den einen oder anderen Hinweis mit nach Hause zu nehmen. „Was wäre, wenn wir ohne Hände essen müssten?“, „Was wäre, wenn es am Tag dunkel und nachts hell wäre?“ Mit diesen oder ähnlichen Fragen begeben sich unsere Vorschüler, die „Wackelzähne“, auf die erstaunliche Suche nach kindlichen Antworten. Die unterschiedlichsten Fragen aus den „Hosentaschendialogen“ von Frauke Hildebrandt brachten an diesem Abend die Eltern zum Nachdenken und Philosophieren.

Neben den derzeit im Kinderhaus aktuellen Vorlesebüchern, lernten sie unsere sprachlichen Rituale, welche im Alltag bei uns eine bedeutende Rolle spielen, kennen. Bilderbuchbetrachtungen und Vorlesen gehören zu den wichtigsten sprachförderlichen Aktivitäten. Insbesondere dialogische Bilderbuchbetrachtungen mit einem oder wenigen Kindern, bei denen diese nicht nur Zuhörer, sondern aktive Mitgestalter sind, haben sich als wertvoll erwiesen, um die kindliche Sprachentwicklung gezielt zu unterstützen. In einem der Workshops erlebten die Eltern in gemütlicher Atmosphäre bei abgedunkeltem Licht und einer gestalteten Mitte eines der bedeutenden Rituale bei uns im Kinderhaus: das Vorlesen. Anhand der Kniebuchgeschichte „Klara und ihre Mäuse“ erfuhren sie Wissenswertes über die Bedeutung des Dialogischen Lesens, eine Bilderbuchbetrachtung, welche ganzheitlich die Sprachentwicklung unterstützt und fördert.

Durch Fragen: „Wie? Wo? Was? Warum?“ wurden die Eltern ermutigt, ihre Erlebnisse, Ideen und Gedankengänge mitzuteilen. In einer offenen, vertrauensvollen Atmosphäre erlebten sie, dass es Spaß macht, sich zu einer Bilderbuchgeschichte auszutauschen, Argumente zu suchen, Antworten zu finden und sich zu erinnern. Als aktive Mitgestalter waren die Eltern mit Freude am Zuhören und Mitreden dabei.

In unserem Workshop „Sprachförderung von Anfang an“ wurde deutlich, dass Sprachentwicklung schon im Mutterleib beginnt. Die Eltern erfuhren, dass man Kinder in alltäglichen Situationen wie zum Beispiel beim Wickeln, beim An- und Ausziehen und beim Essen oder mit Finger- und Rollenspielen bzw. Liedern zum Umgang mit Sprache ermutigen kann.

Die Eltern waren eingeladen, anhand der Bewegungsgeschichte durch „Wald und Feld“ zu erleben, dass Sprache und Bewegung untrennbar zusammen gehören. Im Geschichtenkreis ließen sie sich ähnlich wie ihre Kinder von einer sogenannten Schachtelgeschichte „Die kleine Heule-Eule“ verzaubern.

„Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.“ Dieser Aufforderung von Theodor Fontane folgten wir an diesem Abend und waren fasziniert und berührt von dem sehr offenen und achtsamen Austausch in den verschiedenen Workshops, welcher uns weitere wertvolle Impulse für unsere pädagogische Arbeit gegeben hat. Die Eltern hatten Gelegenheit, Einblicke in unsere pädagogische Arbeit zu erhalten und gelegentlich die Rolle ihrer Kinder einzunehmen.

Wir hoffen, dass wir die Eltern ermutigen konnten, mit ihren Kindern ins Gespräch zu kommen, mit ihnen zu philosophieren, mit den Kleinsten Bücher anzuschauen und mit zu erleben, wie sie sprachlich ihre Welt begreifen und erobern. Das sehr positive Fazit am Ende hat uns gezeigt, dass dieser Elternabend weiter dazu beigetragen hat, unsere Zusammenarbeit gelingend zu gestalten.

Herzlichen Dank an alle teilnehmenden Eltern, welche sich so intensiv auf dieses Thema mit uns eingelassen haben.