Kinderarche Sachsen e.V.

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Von der allmählichen Rückkehr in den Alltag

13. Mai 2020

Auch wenn es immer mehr Lockerungen gibt, sind wir in der Therapeutischen Wohngruppe Seyde noch lange nicht in dem Alltag angekommen, den wir uns wieder wünschen würden. Fünf unserer acht Kinder dürfen wieder tageweise zur Schule gehen, aber immer noch gilt es für drei Kinder, die Lernzeit in der Wohngruppe zu meistern. An den neuen Tagesablauf haben sie sich alle gewöhnt.

Und wie sieht der so aus?

Natürlich können die Kinder länger schlafen, denn unsere doch sehr langen Schulwege entfallen ja. So frühstücken die daheim Gebliebenen 8.30 Uhr. Von 9.30 Uhr bis 11.00 Uhr geht es in die erste Lernzeit. Danach sind wir eine Stunde draußen und spielen Tischtennis, Federball, Frisbee oder nutzen Hängematten, Trampolin und die wunderbare Vogelnestschaukel. 12.30 Uhr gibt es lecker frisch Gekochtes von unserer Regina und 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr sitzen alle wieder pünktlich in der Stube zur zweiten Lernzeit. Danach ist Freizeit oder seit Ende April auch Therapiezeit bei der Kunsttherapeutin oder Psychologin.

Plötzlich wünschen sich die Kinder Spaziergänge um unsere Seydener „Kahle Höhe“ oder zur Zinnbrücke, in der Küche sind einige unserer Jugendlichen zum Kochen plötzlich öfter als sonst anzutreffen. Im Übrigen haben wir bei unserem Online-Kochkurs sogar 40 Euro gewonnen für unsere geposteten Fotos von den fertig angerichteten Tellern. Zweimal haben wir noch mit Richi gekocht. Beim sehnlichst erwünschten Kaiserschmarren brach die Internetverbindung weg und wir mussten alles allein zu Ende bringen. Naja. Ein bisschen sah unser Kaiserschmarren dann wie Rührei aus, aber geschmeckt hat er!

Wir machten Brennnessel-Pesto, weil sie so viel Vitamin C hat und sie an unserer Scheune super frisch wächst. Pokern haben die Großen gelernt, Brettspiele werden vermehrt herausgeholt, der Grill angeworfen und es gab ein Lagerfeuer. Auch die Schafe sind wieder eingezogen ins Gehege und werden überwiegend von einem 14-jährigen Jugendlichen versorgt. Blumenkästen verzieren schön bepflanzt unser Haus und im Kräuterbeet wachsen für die „FRISCHEKÜCHE“ unsere Kräuter.

Die zukünftigen Schulabgänger verschickten viele Bewerbungen. Wir erlebten das erste Online-Bewerbungsgespräch von Hermann – so etwas gab es hier auch noch nie. Gut hat er es gemacht.

Und am ersten Wochenende, an dem kleine Ausflüge möglich wurden, ging es auf den Geisingberg. Leider endete die Tour beizeiten, da unser Hermann mit dem Fuß umknickte und zum Arzt musste.

Positiv können wir feststellen: Die Kinder sind in dieser Zeit entspannter gewesen, wir haben mehr Zeit für sie und können uns auf Dinge besinnen, die wir lange nicht mehr tun konnten. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eine erhebliche Mehrarbeitszeit für die Erzieher der Wohngruppe bedeutet, die sonst keine Vormittagsdienste leisten müssen. Belastend war auch der Abbruch der sozialen Kontakte für die Kinder, vor allem das Besuchsverbot bei den Eltern. Das ist für alle Seiten wirklich eine riesige Herausforderung.

Deshalb an dieser Stelle ein großes Lob an die Kinder und Jugendlichen, wie toll sie unsere Hilfe annehmen und wie gut sie diese Zeit aushalten und alle Einschränkungen so akzeptieren. Das ist keinesfalls selbstverständlich.

Wir hoffen auch, dass Sie alle gesund und unbeschadet durch diese Zeit kommen! Und dass es uns gelingt, nach und nach wieder in einen (relativ) normalen Alltag zurückzukehren!