Kitas öffnen wieder: Tag 1 unter neuen Bedingungen

18. Mai 2020

Ab heute sind die Kitas in Sachsen wieder offen. „Los geht's“ hieß es aber nicht erst heute, sondern schon eher: Seit der Entscheidung zur Kita-Öffnung mit eingeschränktem Regelbetrieb vor einer Woche haben die Mitarbeitenden in unseren Kitas gewirbelt, um parallel zur Notbetreuung alles für die Wiedereröffnung unter den veränderten Bedingungen vorzubereiten. Wir zeigen am Beispiel unserer Christlichen Kita „Unterm Regenbogen“ in Sebnitz, was das im Einzelnen bedeutet hat und wie der Start heute verlief.

Montag, 11. Mai: Wir studieren die Details der neuen „Allgemeinverfügung zur Regelung des Betriebes von Kindertagesbetreuungseinrichtungen und von Schulen Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der SARS-CoV-2-Pandemie“ und ändern alle vorherigen Pläne und Ideen von kleinen Gruppen mit maximal 9 Kindern in der Notbetreuung und dem Öffnen nach und nach – auf nunmehr absolut getrennte/feste Gruppen, für die Größe nicht mehr so ausschlaggebend ist.

Dienstag, 12. Mai: Wir erstellen in Windeseile neue Rahmenkonzepte, stimmen uns innerhalb der Kinderarche Sachsen ab und überarbeiten die Hygienepläne.

Mittwoch, 13. Mai: Wir passen unser pädagogischen Konzept an die neuen Rahmenbedingungen an und überlegen, wie wir Raumstruktur inkl. Ausstattung ändern.

Donnerstag, 14. Mai: Wir klären alle Details in einer Dienstberatung, informieren die Elternvertretung, holen Rückmeldungen, Fragen, Klärungsbedarf der Eltern ein, bereiten eine Rezeption vor.

Freitag, 15. Mai: Wir informieren die Eltern, arbeiten weitere Details ins Rahmenkonzept ein, räumen die Gruppenzimmer um, trennen Bereiche im Außengelände ab.

Montag, 18. Mai: Es geht los. Kinder und Eltern kommen wieder in die Kita zum „eingeschränkten Regelbetrieb“. Was heißt das konkret? Wir arbeiten in festen Gruppen statt teiloffen, Personal ist gruppenbezogen eingesetzt, die Öffnungszeiten der einzelnen Gruppen sind festgelegt und neu strukturiert nach „Frühkindern“ und „Spätkindern“.

Ein enormer Planungs- und Strukturierungsaufwand liegt hinter uns. Wimpelketten in Kombination mit Absperrbändern im Garten und Smilies als „Wartezone“ sollen das Ankommen erleichtern. Ob sich dieser Aufwand gelohnt hat, zeigt sich erst nach und nach. Die Rezeption erweist sich an diesem Morgen als gute Idee. Wir können Eltern informieren, die Kinder im Haus begrüßen. Die Übergabe der Kinder erfolgt an eine Kollegin aus dem Team, die die Kinder kennen, weil sie auch sonst schon gruppenübergreifend gearbeitet hat. Manchem fällt das Ankommen schwer, andere Kinderaugen strahlen. Ebenso erleben wir das bei Eltern – zwischen Freude, dass es wieder losgeht und Unsicherheit/Skepsis, wie das alles werden soll. Werden sich die Kinder trotz allem wohlfühlen?

Der Vormittag ist vorbei und die ersten Kinder werden nach dem Mittagessen abgeholt. Eltern warten geduldig, bis wir ihnen die Kinder an der Rezeption wieder übergeben. Wie turbulent der Nachmittag wird, bleibt abzuwarten. Mal sehen, ob sich Staus bilden bei der Abholung. Wir werden sehen. So ist das Gefühl seit Tagen – „Wir werden sehen“. Die Vorbereitungen sind die eine Seite, die Praxis muss zeigen, was taugt und was sich nicht als praktikabel erweist.

Eine der kritischen Beobachtungen ist das Ankommen der Hortkinder, die natürlich ihren Weg von der Schule zu uns in die Kita in unterschiedlichen Gruppen zurücklegen. Auch wenn sie bei uns in einer festen Gruppe weiter betreut werden, bleiben Schnittstellen, die nicht transparent nachzuverfolgen sind.

Solche Fragezeichen bleiben auch, wenn wir uns überlegen, wie wir Kindern die Trennung im Außengelände erklären können. Nein, die Wimpel hängen leider nicht als Schmuck für ein Fest, wie ein Kind vermutete. In der Kita können die Kinder zurzeit nicht wie gewohnt alle zusammenspielen. Was nachmittags auf dem Spielplatz oder im Park oder zu Hause passiert, wenn sie sich dennoch treffen, steht wohl auf einem anderen Blatt. Auch Geschwisterkinder in Krippe und Kindergarten lassen sich nicht in einer Gruppe zusammen betreuen.

„Wir werden sehen“ und wir hoffen, dass Politik und Praxis sich viel effektiver abstimmen, was umsetzbar ist. Eine Öffnung unter den jetzigen Rahmenbedingungen fordert viel, teilweise zu viel, weil weder Personal noch räumliche Kapazitäten darauf ausgelegt sind. Wenn Kolleginnen ausfallen, kann es sein, wir müssen die Betreuungszeit weiter reduzieren oder Gruppen schließen. Für Eltern, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, weder nachvollziehbar noch sinnvoll. Hier zeigt sich einmal mehr, dass der ohnehin kritische Personalschlüssel in Sachsen unbedingt verbessert werden muss.

Gerade vor diesem Hintergrund und wenn unsere Regierung ernst machen will mit dem Thema: „Wir öffnen zum Wohl der Kinder und für ihre gute Bildung!“ darf dieser eingeschränkte Regelbetrieb nur eine kurzfristige Maßnahme sein. Hygienemaßnahmen lassen sich sicherlich einhalten, die strikte Gruppen-, Personal- und Raumtrennung jedoch nicht. Im Gegenteil ist dies ein nicht tragbarer Einschnitt in sehr gute offene und teiloffene pädagogische Konzepte, die wissenschaftlich begründet auf dem sächsischen Bildungsplan aufbauen und sich in der Praxis vielfach bewährt haben.