Kinderarche Sachsen e.V.

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Wenn aus Neuseeland Leubnitz wird

01. Oktober 2021

Eigentlich hatte Jasmin Jebrahim den Traum, nach ihrer Erzieher-Ausbildung für ein Jahr als Au-Pair nach Neuseeland zu gehen. Doch das Schicksal machte ihrem Fernweh und der Sehnsucht, auf der anderen Seite der Welt etwas Gutes zu tun, einen Strich durch die Rechnung. Ungeklärte gesundheitliche Probleme ließen den Traum platzen, so dass die junge Frau andere Pläne machen musste.

In unserem Mutter-Kind-Haus Leubnitz war sie da schon lange beinahe zu Hause. Ihr erstes Praktikum 2017 gefiel ihr so gut, dass sie fortan nicht mehr in den Kindergarten, sondern in die Jugendhilfe gehen wollte. Auch das Prüfungspraktikum im Jahr 2019 absolvierte sie deshalb im Mutter-Kind-Haus und war begeistert, wie viel Verantwortung sie als Praktikantin schon übernehmen durfte.

Ähnlich begeistert war das Team des Mutter-Kind-Hauses von der jungen Frau. Als der Traum vom Au-Pair im Ausland platzte, war es nur folgerichtig, dass Einrichtungsleiterin Birgit Wiesner der fast fertigen Erzieherin – einen Monat vor Ende der Ausbildung – einen Job anbot. Allerdings gab es einen Haken: Aufgrund der gesundheitlichen Probleme durfte Jasmin Jebrahim nicht Auto fahren. In einem großen Mutter-Kind-Haus, in dem ständig Mütter, Mädchen und Kinder zum Arzt, zum Einkaufen, in den Kindergarten oder zur Therapie gefahren werden mussten, eigentlich ein Ausschlussgrund.

„Es war für mich unglaublich hilfreich, dass alle sagten, sie werden das mittragen“, erinnert sich Jasmin Jebrahim. Und so stieg sie – nicht in Neuseeland, sondern in Leubnitz – in ihr Berufsleben ein und hat es bislang keine Sekunde bereut. „Die Arbeit ist wahnsinnig vielseitig und es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln“, sagt sie.

Weil sie selbst sehr sportlich ist, hat sie die Koordination des Bewegungsprojektes im Mutter-Kind-Haus übernommen und geht mit den Müttern und Mädchen regelmäßig spazieren oder macht mit ihnen Yoga im Freien. Ihr ist zu verdanken, dass die Mütter inzwischen Hula-Hoop-Fans sind und die Reifen sogar mit in den Urlaub nehmen.

Mit ihren 25 Jahren ist sie die Jüngste im Team, aber das stört sie keineswegs. „Es ist ein cooler Mix“, sagt das Küken des Hauses, „wir können uns gegenseitig mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen und Stärken unterstützen und bereichern.“ Am schönsten sei das Zusammengehörigkeitsgefühl im Mutter-Kind-Haus. Als sie vor zwei Jahren zu Weihnachten im Dienst war, sei das ein Fest wie im Film gewesen. „Es war so schön, dieses Fest gemeinsam zu feiern und Zeit miteinander zu verbringen“, erinnert sie sich, „das ist das größte Geschenk, was man jemandem machen kann.“

Und auch für sie selbst hat das Schicksal noch ein Geschenk bereit: Die Gesundheitsprobleme sind inzwischen geklärt, das Fahrverbot ist längst aufgehoben, so dass Jasmin Jebrahim nun einen zweiten Anlauf nehmen will: Von Januar bis März möchte sie nach Spanien gehen, um dort als Freiwillige in einem Kindergarten für sozial benachteiligte Kinder zu arbeiten. „Es ist toll, dass mich meine Kollegen nun auch in diesem Wunsch unterstützen“, sagt sie, „so dass ich mir diesen Traum nun doch noch erfüllen kann.“