Wenn Häuser sprechen könnten: MuK Leubnitz feiert 30-Jähriges

28. September 2020

Wenn Häuser sprechen könnten, was würden sie erzählen? Die 130-jährige Villa, in der seit 30 Jahren unser Mutter-Kind-Haus Leubnitz untergebracht ist, könnte Erstaunliches berichten. Zum Jubiläumsfest am Freitag trat die Villa tatsächlich auf. Knarrend kam sie auf die Bühne: „Hallo, ich soll hier heute durchs Programm führen“, sprach sie, „erst im letzten Jahr mussten meine Fundamente auf einer Seite angehoben werden.“ Aber lieber als über Bautätigkeiten berichtete das Haus von den Menschen, die hier leben und arbeiten.

Da wären zum Beispiel Birgit Wiesner und Beatrix Büchel. Beide arbeiten seit mehr als 30 Jahren in der Einrichtung – und so erzählten sie den Gästen von den Anfängen des Mutter-Kind-Hauses und schmückten den Bericht mit Anekdoten aus. Insgesamt 109 Mädchen und 228 Mütter mit 265 Kindern haben seit 1990 hier ein Zuhause auf Zeit, Annahme und Ermutigung gefunden. Viele von denen, die aktuell hier leben, gestalteten das Programm auf launige Weise aus: mit Tänzen, Liedern und sogar einem Babysitter-Blues.

„Es wird nie langweilig“, befand das Haus am Ende seines Auftritts und übergab das Wort an die Einrichtungsleiterin Birgit Wiesner. In ihrer Rede erinnerte diese daran, wie sie und ein paar Mitstreiter sich vor 30 Jahren auf eine Reise in unbekanntes Gebiet machten. „Aus dem Nichts heraus etablierten wir ein völlig neues Angebot, haben uns immer weiter vernetzt, auch mit Einrichtungen aus den alten Bundesländern und sind heute Mitglied in der Schwerpunktgruppe Mutter/Vater-Kind des Evangelischen Erziehungsverbandes, der bundesweit agiert.“

Sie würdigte die Anstrengung jeder einzelnen jungen Frau, auf ihre Weise das Beste zu geben, und dankte ihrem großartigen Team, das sich immer wieder dieser herausfordernden, aber wunderschönen Aufgabe stellt.

Auch Kinderarche-Vorstand Matthias Lang fand berührende Worte des Dankes: „Wer sich die Zeit nimmt und eine Weile im Mutter-Kind-Haus verbringt, der spürt schnell, mit wie viel Geduld, Leidenschaft, Humor und Einfallsreichtum die Mitarbeiterinnen hier im Einsatz sind. Sie helfen, trösten, kochen und waschen, machen Nächte durch, halten Babys im Arm und hören sich gleichzeitig Liebeskummer an, schreiben Anträge und kämpfen mit Behörden. Jeden Tag und jede Nacht. Und das seit 30 Jahren.“ Sein Wunsch zum Geburtstag: „Ich wünsche mir eine Politik, die Kinder- und Jugendhilfe nicht nur als Kostenfaktor sieht, sondern als Chance für junge Menschen anerkennt, die ohne Hilfe auf der Strecke bleiben würden.“

Die besten Wünsche für die Zukunft überbrachten in ihren Grußworten auch Oberkirchenrat Dietrich Bauer, der Direktor der Diakonie Sachsen, Werdaus Oberbürgermeister Sören Kristensen und der Landtagsabgeordnete Jan Löffler. Sie alle nahmen die Einladung gern an, sich im Anschluss an die Festveranstaltung im Haus umzuschauen und mit den Bewohnern und anderen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Wir danken herzlich allen, die unser Fest zu einem unvergesslichen Höhepunkt gemacht haben: den Mädchen, Müttern und Kindern mit ihrem Programm, Fatima, die Stunden über Stunden das Kostüm für unsere alte Villa genäht hat, unserem Team in Leubnitz, das dieses Fest seit Monaten – und unter erschwerten Bedingungen – vorbereitet hat, Andy Spranger für die technische Gestaltung, Frauen und Business für die Unterstützung beim Catering und allen weiteren Helfern und Gästen, die uns seit so vielen Jahren begleiten und tragen.

Wer uns zum Jubiläum noch eine Freude machen möchte: Wir wollen den Mädchen und Müttern gern den Wunsch nach einer neuen Küche erfüllen, denn sie ist das Herz des Hauses, in dem sich alle treffen, um gemeinsam zu kochen, zu essen, sich auszutauschen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!