Wo ist eigentlich der Keilberg?

24. August 2020

Diese Frage beschäftigte die Kinder und Jugendlichen der heilpädagogischen Wohngruppe 2 aus Lichtenstein bereits ab dem Moment, an dem es hieß: „Wir sind in Tschechien!“ Genauer gesagt stand unser Ferienhaus umgeben von „Bergen“ im schönen Örtchen Pernink. Für die Jugendlichen war es oberstes Ziel, während der Ferienfahrt wandern zu gehen, am liebsten auf den Keilberg. Denn dieser ist mit 1.244 Höhenmetern der höchste Berg im Erzgebirge.

Mit Google-Maps und GPS wurde emsig gesucht, welcher der vielen Berge denn nun der Richtige ist. Jedoch war erst einmal Geduld gefragt, da der Ausflug zum Keilberg für das Ende der Ferienfahrt geplant war.

Die ersten Urlaubstage waren geprägt von Regen, sodass wir die meiste Zeit des Tages in unserem schönen Ferienhaus verbrachten. Während die Jüngeren mit Spielen, Malen und Basteln beschäftigt waren, richteten die vier Großen eine Art Kochduell aus. Jeweils zwei Jungs zauberten uns für zwei Abende ein leckeres Menü. Dies erwies sich als nachmittagsfüllendes Programm, denn auf der Menükarte standen tolle Speisen wie Hackbällchen, selbstgemachte Kartoffelspalten, Putenschnitzel mit Panade „alla Oma“ und leckere Nachspeisen. Wir konnten ausgiebig genießen und uns von den Kochkünsten der Jungs überzeugen lassen.

Am vierten Tag packte uns das erste Mal die Wanderlust, trotz Nieselregen und Nebel zogen wir los in Richtung Wolfs- und Eispinge – zwei nah beieinanderliegende Felsschluchten, welche durch den Bergbau entstanden. 120 Meter lang, 25 Meter tief und 14 Meter breit präsentierte sich uns die Wolfspinge. Die nur 1,50 Meter breite Eispinge bereitete uns einen abenteuerlichen Abstieg, denn die Stufen waren alles andere als DIN-gerecht. Wir mussten teilweise Absätze von einem halben Meter stufab und später wieder stufaufwärts überwinden. Alle meisterten dies jedoch mit Bravour. Die gesamte Wanderung zog sich über 14 Kilometer bergauf und bergab, die selbst unsere Jüngsten mit 4 und 6 Jahren super durchhielten.

Am Tag 5 hieß es „Sightseeing“ und Souvenir-Shopping in Karlovy Vary (Karlsbad). Der Höhepunkt für die Kinder und Jugendlichen waren die typisch tschechischen Baumstriezel, gefüllt mit frischen Früchten und Vanilleeis. Für Josias war es das coolste, das erste Mal in seinem Leben in einer fremden Währung bezahlen zu können und stets die getauschten Kronen in Euro umzurechnen.

Am sechsten Tag war es endlich soweit: Der Ausflug zum Keilberg stand auf dem Programm. Bereits die Vorbereitungen wurden von allen ausgiebig zelebriert, so bereiteten sich die Großen Proviant in Form von Schnitzelbrötchen vor, während die Jüngeren damit beschäftigt waren, Obst zu schneiden. Dann konnte es losgehen.

Mit unserem Bus fuhren wir bis auf die Spitze des Keilbergs, denn dort erwartete die Kids eine Überraschung: Mit Downhillbikes und Monsterrollern ging es auf der „Azurline“ den Keilberg hinab. Was für ein Erlebnis! Unten angekommen hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht, inklusive den Erziehern! Im Anschluss ging es mit dem Sessellift wieder nach oben, dies gefiel den beiden Jüngsten besonders. Die für alle vier Jugendlichen geplante Rückwanderung wagten sich dann doch nur zwei Jungen gemeinsam mit Herrn Wiegand. Wir anderen fuhren mit dem Bus zurück und bereiteten bis zur Rückkehr der Wanderer den anstehenden 5. Geburtstag unserer Jüngsten vor.

Der vorletzte Tag wurde mit einem ausgiebigen Geburtstagsfrühstück gestartet und auf Wunsch des Geburtstagskindes fuhren wir ins Freibad. Leider blieb der Tag nicht ohne Zwischenfälle, da sich einer der Jugendlichen eine Platzwunde zuzog, die im nahegelegenen Krankenhaus genäht werden musste. Zum Glück konnten wir danach alle gemeinsam zurück ins Ferienhaus, wo es zum Abschluss ein kleines Grillfest gab.

Satt und zufrieden ging es an diesem letzten Abend für alle nicht allzu spät ins Bett, denn am nächsten Morgen hieß es: „Koffer packen, es geht heim“. Mit vielen neuen Eindrücken und tollen Erlebnissen fuhren wir zurück in unsere Wohngruppe nach Lichtenstein.