Heitere Zeichenstunde im Mutter-Kind-Haus Leubnitz

26. Juni 2019

Mit Anja Rutschkowski ist die Kunst ins Mutter-Kind-Haus Leubnitz eingezogen. Denn die Heilerziehungspflegerin, die seit Februar 2018 in der Kinderarche-Einrichtung arbeitet, kann ohne Kunst nicht sein. Sie selbst malt und zeichnet etwa seit dem 20. Lebensjahr. Jetzt möchte sie den Müttern und Mädchen Lust auf ihre eigene Kreativität machen. Bereits im Februar startete sie mit einigen jungen Frauen ein Kunstprojekt, in dem berühmte Werke als Inspiration für die eigene Kunst dienten. Jetzt hat sie den Comiczeichner Jörg Halsema ins Mutter-Kind-Haus eingeladen, damit er den Frauen Einblick ins Trickfilm-Zeichnen gibt.

Vier Mütter haben sich an diesem Abend im Begegnungsraum versammelt und schauen den Zeichner erwartungsvoll an. Der hat natürlich etwas mitgebracht: ein paar Karikaturen, die er herumgibt und die sofort für fröhliches Kichern sorgen. „Trotz Computertechnik wird für Zeichentrickfilme noch immer viel von Hand gezeichnet“, erzählt Jörg Halsema, der unter anderem für die Dresdner Balance Film GmbH zeichnet. „Es ist eine Menge Arbeit, und es hat viel mit Geduld zu tun.“

Geduld am Ende eines langen Tages, nachdem alle Aufgaben erledigt sind und das Kind endlich im Bett liegt, das ist von den Müttern viel verlangt. Dennoch lassen sie sich auf die Aufgabe „Porträt-Zeichnen“ ein. Zuerst schauen sie dem Profi über die Schulter, wie er Anja Rutschkowski zeichnet. Einmal normal, einmal viel zu dünn, einmal viel zu dick. „Es kommt darauf an, das Charakteristische eines Menschen einzufangen“, sagt Halsema und setzt Strich für Strich aufs Papier. Das Ergebnis sorgt wieder für lautes Kichern. Aber nicht für lange, denn jetzt sind die Mütter dran.

Aufmerksam betrachten sie ihr Gegenüber, setzen vorsichtig den Stift aufs Papier. Jörg Halsema schaut ihnen über die Schulter, gibt hier einen Tipp, setzt da einen Strich. Die Mütter haben viel Spaß: zunächst beim Zeichnen und erst recht, als sie das Kunstwerk der Porträtierten zeigen. Nach dieser ersten Runde zeigt Halsema den Müttern einen Zeichentrickfilm aus seiner Feder und teilt dann Vorlagen für einen Hund und eine Katze aus. Sie sind aus geometrischen Formen zusammengesetzt, die dabei helfen, die richtigen Proportionen zu finden. Mit Eifer machen sich die jungen Frauen daran, nun selbst einen Hund oder eine Katze zu zeichnen.

Währenddessen bewegt Einrichtungsleiterin Birgit Wiesner die Idee, für das 30-jährige Jubiläum des Hauses im kommenden Jahr vielleicht einen Trickfilm zu produzieren. Jörg Halsema könnte es sich vorstellen, regelmäßig mit den Müttern und Mädchen daran zu arbeiten, aber hätten die überhaupt Interesse daran? „Auf jeden Fall“, kommt die eindeutige Antwort der Frauen. Sie haben die zwei Stunden mit dem Zeichner als sehr anregend empfunden. „Ich finde einfach toll, dass einem gezeigt wird, wie es geht“, sagt Anna-Lena, „und dass hier ein Profi ist, den man alles fragen kann.“ Maria freut sich, mal was anderes zu machen und neue Sachen zu lernen, und Svenja findet, dass Zeichnen nach einem anstrengenden Tag mit Kind total entspannend ist.

„Hier haben die Frauen mal Zeit für sich“, nimmt Einrichtungsleiterin Birgit Wiesner diesen Gedanken auf. Der Zeichenkurs öffnet einen Raum für die eigenen Träume und Ideen, lässt Kreativität und den Spaß am eigenen Schaffen wachsen. Und weil das den Müttern (und damit auch ihren Kindern) guttut, soll das Projekt auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Wer das Kunstprojekt im Mutter-Kind-Haus unterstützen möchte, kann dies gern mit einer Spende tun: