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Katrin verabschiedet sich aus der Wohngruppe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Ich habe mich hier wirklich sehr sehr wohl gefühlt, das war für mich wie ein zweites Zuhause“, sagt die junge Frau, „aber ich freu mich auch aufs Trainingswohnen und die neue Freiheit.“

Auf dem Sprung ins eigene Leben

An ihren ersten Tag in der Wohngruppe „Wach’sche Villa“ erinnert sich Katrin noch genau. Es war der 30. Oktober 2021 und zum Abendbrot gab es Döner. Zweieinhalb Jahre später sitzt Katrin wieder auf gepackten Kisten. Dieses Mal geht es für sie einen Schritt weiter in Richtung Selbständigkeit, denn jetzt verabschiedet sie sich von der Wach‘schen Villa und zieht ins Trainingswohnen Dresden. „Wenn ich an den Anfang denke, dann bin ich inzwischen sehr viele große Schritte gegangen“, sagt die 17-Jährige. „Ich bin sehr sehr dankbar für alles, was ich hier gelernt habe.“

Neben den ganz lebenspraktischen Fähigkeiten wie aufräumen, einkaufen, waschen und kochen ist das vor allem der Umgang mit den eigenen Gefühlen. „Am Anfang bin ich ganz oft aus dem Unterricht rausgerannt und habe mich in der Toilette eingeschlossen“, erinnert sie sich, „dann sind die Betreuer gekommen und haben mich aus der Schule abgeholt.“ Gemeinsam mit den Pädagoginnen hat Katrin gelernt, ihre Gefühle und Reaktionen zu reflektieren, sich zu spüren, zur Ruhe zu kommen.

„Es ist super schön zu beobachten, wie sich Katrin entwickelt hat“, sagt deshalb die stellvertretende Einrichtungsleiterin Christin Baberowski, „wir haben ein sehr gutes Gefühl, sie ins Trainingswohnen zu entlassen.“ In der neuen Wohnform wird die junge Frau nur noch punktuell von pädagogischen Fachkräften begleitet, die vor allem bei Behördengängen und Anträgen unterstützen und den weiteren Ausbildungsweg begleiten.

„Mein Traumberuf ist Erzieherin“, schwärmt Katrin, „aber das kann ich wegen einer Rücken-Operation noch nicht beginnen.“ Nach der aktuellen Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme will sie deshalb zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau und ihren Realschulabschluss machen. „Das große Ziel bleibt aber die Ausbildung zur Sozialassistentin und Erzieherin“, betont Katrin, „denn ich bin gern für andere da und möchte die Erfahrung, die ich hier machen durfte, anderen jungen Menschen schenken.“

Den Abschied aus der Wohngruppe nimmt sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Ich habe mich hier wirklich sehr sehr wohl gefühlt, das war für mich wie ein zweites Zuhause“, sagt die junge Frau, „aber ich freu mich auch aufs Trainingswohnen und die neue Freiheit – auf einen eigenen Balkon und darauf, ganz allein übers Fernsehprogramm bestimmen zu können.“ Sie lacht, denn eigentlich gibt es nur zwei Serien, die sie gern sieht. Viel öfter verbringt sie ihre Nachmittage und Abende im Jugendhaus „Exil“ in Coswig und im Jugendclub „Ratskeller“ in Radebeul – und wird doch auch weiter hingehen.

Für das neue Leben ist sie bestens ausgestattet, denn zuletzt hat sie sich nur noch praktische Sachen gewünscht: einen Wäscheständer, Handtücher, Bettbezüge, Küchenutensilien wie Pürierstab oder Zwiebelzerkleinerer. Und wenn sie doch mal die Sehnsucht überkommt, kann sie einen Blick in das Fotobuch werfen, das ihr die Wohngruppe zum Abschied geschenkt hat. „Das bekommt in meiner neuen Wohnung einen Ehrenplatz“, verspricht Katrin.

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