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Sozialpädagogin Vanessa Walter hat Béla zusammen mit ihrer Kollegin etwa anderthalb Jahre lang im Trainingswohnen begleitet. Jetzt freut sie sich mit ihm über die erste eigene Wohnung.

Die neue Freiheit des Béla O.

Was das Beste ist? „Die Ruhe!“ Béla zögert keine Sekunde mit der Antwort. „Und dass ich jetzt alles so machen kann, wie ich will.“ Noch sind zwar nicht alle Kisten ausgepackt, aber der 19-Jährige hat einen genauen Plan, wie er sich einrichten will. Seit zwei Wochen lebt er in seiner ersten eigenen Wohnung in Coswig, nachdem er neun Jahre lang in verschiedenen Kinderarche-Wohngruppen untergebracht war. 

Béla war noch in der Grundschule, als er im Sommer 2017 in die Wohngruppe „Weinberghaus“ eingezogen ist. Seine Mutter hatte sich selbst ans Jugendamt gewandt und um Hilfe gebeten, damit ihr Kind bestmöglich aufwachsen kann. „ich habe mich in der WG sehr wohl gefühlt“, erinnert sich der junge Mann, „aber irgendwann war mir alles zu trubelig und ich habe mich immer mehr zurückgezogen.“ 

Schritt für Schritt in ein selbständiges Leben

Im Integrativen Familienwohnen fand der Junge dann eine kleinere Gruppe mit weniger Wechseln und blieb vier Jahre, ehe er über die Trainingswohnung im Weinberghaus mit seinem 18. Geburtstag ins Trainingswohnen Dresden zog. Schritt für Schritt lernen insgesamt fünf junge Menschen hier, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – von Haushalt und Tagesstruktur bis hin zu Finanzen und Behördengängen. 

Die zwei pädagogischen Fachkräfte sind nur von Montag bis Freitag da, in der Nacht und am Wochenende müssen die Jugendlichen allein zurechtkommen. Anders als in den Wohngruppen, wo die Regeln und Strukturen vorgegeben sind, stehen im Trainingswohnen die Ziele und Vorstellungen der jungen Menschen im Mittelpunkt. Denn genau darauf kommt es an: dass junge Menschen erwachsen und selbständig werden, eigene Pläne entwickeln und umsetzen. 

„Wir sind da und helfen dabei, alles in die richtigen Bahnen zu lenken“

„Wir sind hier sehr fehlerfreundlich“, formuliert es Sozialpädagogin Vanessa Walter mit einem Augenzwinkern. „Wir sind da, und wenn die jungen Menschen mal eine falsche Entscheidung treffen, helfen wir dabei, wieder alles in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Bei Béla ist das jedoch fast nicht vorkommen, weil der junge Mann eher vorsichtig ist. Er hat seine Ausbildung zum Verkäufer für biologische Lebensmittel sehr ernst genommen und ist von seinem Ausbildungsbetrieb im Sommer 2026 übernommen worden. 

Schwierig war dann die Suche nach einer eigenen Wohnung. Ohne großes Einkommen, ohne Bürgen und ohne finanzielles Hinterland haben junge Menschen, die aus der Jugendhilfe kommen, wenig Chancen auf dem ohnehin umkämpften Wohnungsmarkt. Über die kleine Wohnung mit Balkon in Coswig ist Béla deshalb jetzt sehr froh. Auch über die Hilfe der 3B Dienstleistungen GmbH, die beim Umzug ehrenamtlich geholfen haben und dem Trainingswohnen auch für weitere Auszüge tatkräftig zur Seite stehen. 

Erste zwei Wochen waren „experimentell“

Zum Einrichten muss er sich noch ein bisschen Zeit nehmen, weil das Geld nicht gleich für alle Möbel reicht, die er braucht. „Die erste Nacht habe ich auf einer Isomatte geschlafen“, erzählt er, „und der Herd kommt auch erst noch.“ Das Wort, mit dem er die ersten zwei Wochen in der eigenen Bude beschreiben würde, ist deshalb „experimentell“. Aber er genießt die neue Freiheit und freut sich schon darauf, die Licht- und Metallschwerter, die er in den Wohngruppen verstecken musste, endlich gut sichtbar an die Wand hängen zu können.

„Diese Wohnung ist ein Neuanfang“, sagt der Cosplay-Fan und seine Augen leuchten. „Ich kann hier mit meinem eigenen Ordnungssystem starten und hoffe, gut zurechtzukommen.“ Zwar hat die Zeit im Trainingswohnen ihn schon gut darauf vorbereitet, aber er ist auch über die ambulante Nachbetreuung froh, die ihm über das erste Jahr in der eigenen Wohnung hilft. Zweimal in der Woche kommt ein Erzieher und unterstützt bei Behördengängen, mit Verträgen, bei der Planung und im Haushalt. 

„Ich habe mich aus der Komfortzone herausbewegt“, sagt Béla, „aber ich freue mich über den neuen Freiraum.“ Zum 18. Geburtstag des Trainingswohnens am 26. August wird er auf jeden Fall unter den Gästen sein. Und wenn er mal ein bisschen mehr Geld hat, dann will er auch die Wohngruppen, in denen er seine Kindheit verbracht hat, mit Spenden unterstützen. 

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