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Zum Abschluss ihrer IFB-Zeit haben Mutter und Tochter mit einer Foto-Rallye Rückschau gehalten. Entstanden ist ein beeindruckendes Leporello, das sich Carmen Marschner gemeinsam mit der Familienbegleiterin Anja Schnirpel noch einmal anschaut.

„Ich bin eine reife Löwin geworden“

Heute ist Internationaler Tag der Familie. Wir wollen den Tag gern zum Anlass nehmen, um zu zeigen, wie vielfältig Familie sein kann. Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen, finden sie Hilfe z.B. in unserer Integrativen Familienbegleitung (IFB) in Radebeul. Hier hat Familie Marschner gelernt, mit Konflikten besser umzugehen.

Wenn Carmen Marschner an die Zeit „vor der IFB“ denkt, dann fallen ihr starke Bilder ein. „Es hat gebrannt bei uns“, sagt sie, „und die IFB ist unsere Feuerwehr gewesen.“ Sowohl mit ihrem großen 18-jährigen Sohn als auch mit der zehnjährigen Hana hatte es immer wieder geknallt. „Wir sind drei sehr temperamentvolle Charakter“, gesteht die 46-Jährige, „und ich bin in der Interaktion mit den Kindern an meine Grenze gestoßen.“

Sie wollte unbedingt eine Veränderung, erinnert sich die Mutter, und so hat sie sofort zugesagt, als das Jugendamt die IFB vorschlug. In dieser besonderen Hilfeform ziehen Familien für eine Woche in die IFB-Wohnung ein, bevor sie dann fünf Wochen das Gelernte in der eigenen Wohnung umsetzen und von den Familienhelfern nur besucht werden. Über ein halbes Jahr wechseln sich jeweils eine Wohnwoche und fünf Wochen in der eigenen Wohnung ab. 

„Füttere sie mit Freundlichkeit!“

„Der Tapetenwechsel war wichtig für uns“, sagt Carmen Marschner, „denn zu Hause haben wir uns immer im Kreis gedreht.“ In den Gesprächen mit den drei IFB-Mitarbeitenden und im Elternkurs hat die Mutter dann gelernt, in schwierigen Situationen erst mal die Ruhe zu bewahren und nicht gleich „hochzugehen“. Während sie sich vorher in Konfliktgesprächen oft wie eine Löwin benommen hätte, war ihr neues Motto nun: „Füttere sie mit Freundlichkeit!“

Sie lernte, was gewaltfreie Kommunikation ist, konnte dank der Hilfe nun die verschiedenen Perspektiven in einem Konflikt sehen und einnehmen, verstand, dass sie mit Hana nicht über alle eigenen Probleme reden kann und soll. Für einen entspannteren Umgang mit ihrer Tochter probierte sie eine neue Methode aus: den Familienrat. Hier setzen sich alle Familienmitglieder in Ruhe zusammen und äußern ihre Wünsche, bevor es zum Konflikt kommt. „Wir sind beide daran gewachsen“, erzählt die Mama stolz. „Es kommt jetzt gar nicht mehr zu solchen Eskalationen, weil ich besser zuhöre und Hana nicht mehr so laut wird.“

Eine weitere schöne Methode war die Schatzkiste mit den Muggelsteinen, die Carmen Marschner jeden Abend füllte mit Dingen, die am Tag positiv gelaufen sind. „Am Anfang waren es nur zwei, drei Steine“, erinnert sie sich, „aber mit der Zeit wurden es immer mehr.“ Geholfen habe dabei auch das Feedback der IFB-Mitarbeitenden, die dafür sorgten, den Fokus auf die Erfolge zu richten, und außerdem immer ein offenes Ohr für die Familie hatten.

„Ich möchte Familien Mut machen“

„Natürlich ist die Zeit in der IFB auch sehr anstrengend gewesen“, räumt die Mutter ein, „manchmal nervig und schwer. Aber ich möchte trotzdem allen Familien, die allein nicht weiterkommen, Mut machen, diese Hilfe anzunehmen!“ Zum Abschluss ihres halben Jahres mit der IFB Radebeul haben Mutter und Tochter mit einer Foto-Rallye Rückschau gehalten. Entstanden ist ein beeindruckendes Leporello, das den Weg der beiden darstellt – mit Fotos in der Elbe für die kalten Füße, die sie anfangs hatten, aber auch auf dem Turm der Friedenskirche, weil sich neue Aussichten eröffnet haben.

Auf die Frage, ob sie jetzt immer noch wie eine Löwin reagiere, lacht Carmen Marschner. „Ich würde sagen, ich bin eine reife Löwin geworden – viel weiser und ruhiger. Und das tut uns als Familie sehr gut!“

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